ChatGPT: Die Fehler des Sam Altman

Sam Altman, der Mann hinter ChatGPT, gilt als der beste Verkäufer des Silicon Valley. Man könne ihn auf einer Insel voller Kannibalen aussetzen und wenn man fünf Jahre später wiederkomme, sei Altman der König, hat ein Mentor mal über ihn gesagt. Diese Fähigkeit hat ihn an die Spitze von Open AI getragen, dem wohl schillerndsten Unternehmen der jüngeren Geschichte.

Doch die Zweifel mehren sich, ob Altman auch in den nächsten Jahren noch die immensen Erwartungen erfüllen kann. In der vergangenen Woche verkündete der wichtigste Konkurrent Anthropic, dass der aufs Jahr hochgerechnete Umsatz auf 30 Milliarden Dollar gestiegen ist, mehr als eine Verdreifachung seit Ende 2025 und wahrscheinlich erstmals mehr als Open AI. Der bisherige Branchenprimus hat seinen „First mover“-Vorteil verspielt. Anthropic gibt den Takt vor. Dessen neues Modell Claude Mythos ist dem Unternehmen zufolge so mächtig, dass es vorerst nicht veröffentlicht wird. Es soll Sicherheitslücken in quasi jeder Software aufspüren können. Ein Albtraum für die Cybersicherheit – und zugleich Ausdruck von Anthropics sagenhaftem Entwicklungstempo.

Open AI hingegen machte zuletzt vor allem mit Absagen von sich reden. Mit der Kurzvideo-Plattform Sora wollte es Tiktok Konkurrenz machen. Das genügte für ein paar Tage Hype, dann flachte die Aufmerksamkeit ab. Den Plänen standen vermutlich horrende Kosten für die Erstellung der rechenintensiven Videos entgegen. Jetzt steht fest: Sora wird abgeschaltet. Ein geplatzter Milliardendeal mit Disney, das sich an Open AI beteiligen wollte, ist der Kollateralschaden.

Altman entgleitet die öffentliche Meinung

Ein lukratives Geschäft witterte Altman auch in einem weniger familienfreundlichen Bereich. Im Oktober kündigte er einen ChatGPT-Modus für Erwachsene an, in dem Nutzer erotische Inhalte generieren können. Sex sells, auch in der KI, und Altman wollte daran mitverdienen. Da hatte er wohl die Rechnung ohne seine Investoren gemacht, die angesichts der programmierten Skandale Bauchschmerzen bekamen. Das Pornoprojekt liegt nun auf Eis.

Altman gelingt auch das Spiel mit der Öffentlichkeit nicht mehr. Als Anthropic in Konflikt mit dem Pentagon über die ethische Anwendung von KI im Militär geriet, sprang Altman sofort in die Bresche, um das Geschäft selbst an sich zu reißen – nur um dann rhetorisch zurückzurudern. Der Eindruck, der skrupellose Altman komme der Trump-Regierung zu Hilfe, blieb. Die Löschungen der ChatGPT-App haben sich nach Bekanntwerden des Deals nahezu vervierfacht, Millionen Nutzer haben sich einem Boykottaufruf angeschlossen. ChatGPT droht das Schlimmste, was einer Techplattform passieren kann: Es ist unter jungen Nutzern schlicht nicht mehr cool.

Lange sah es so aus, als könne Open AI gerade deshalb punkten, weil es schneller als alle anderen aus einer Technologie richtige Produkte machte. Doch in der Vielzahl dieser Versuche hat es sich verzettelt. Anthropic konzentrierte sich derweil auf Geschäftskunden statt auf Spielereien – mit Erfolg.

Die Verantwortung dafür liegt letztlich bei Altman. Die Zeitschrift „New Yorker“ insinuierte vergangene Woche mit zahlreichen Beispielen, Altman nehme es mit der Wahrheit nicht so genau. Das war auch schon die Begründung, als er 2023 kurzzeitig seinen Job verlor – nur um ihn eine Woche später zurückzuerobern. Viele ehemalige Weggefährten haben sich von ihm abgewandt. Die Zeiten, als Mitarbeiter aus Idealismus auch für weniger Gehalt zu Open AI wechselten, sind vorüber.

Für das Unternehmen kommt die Diskussion zur Unzeit. Ein Börsengang steht bevor, von einer angestrebten Bewertung von einer Billion Dollar ist die Rede. Open AI braucht gute PR. Der „New Yorker“ zitiert einen Microsoft-Mitarbeiter, es gebe „eine kleine, aber reale Chance“, dass man sich an Altman als einen „Betrüger vom Niveau eines Bernie Madoff oder Sam Bankman-Fried“ erinnern werde. Ob es stimmt oder nicht: Solche Zweifel dürften potentielle Aktionäre nicht gern hören.

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