Nach dem Tod von Drogenboss „El Mencho“ kommt es in vielen Teilen Mexikos zu schwerer Gewalt. Dutzende Tote werden gemeldet. Die Zweifel an einer sicheren Austragung der Fußball-WM wachsen.
In Mexiko hat die Tötung des Drogenbosses Nemesios Oseguera Cervantes alias „El Mencho“ durch das mexikanische Militär in weiten Teilen des Landes Gewalt ausgelöst. Das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generacion hat in Jalisco sowie anderen Bundesstaaten Straßen blockiert und Fahrzeuge angezündet.
Bewaffnete Männer haben außerdem Geschäfte in Brand gesteckt und die Bevölkerung in Angst versetzt. Zur Zahl von Toten und Verletzten gibt es unterschiedliche Angaben. Mindestens 74 Menschen seien ums Leben gekommen, schrieb die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Sicherheitsminister Omar García Harfuch. Darunter auch 25 Beamte der Nationalgarde, wie ebenfalls die Agenturen Reuters und AP berichteten.
Auswärtiges Amt mahnt zu Vorsicht
Ausschreitungen soll es etwa in 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten gegeben haben, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Auch Ferienorte wie der Küstenort Puerto Vallarta waren offenbar von der Gewalt betroffen. In mehreren Bundesstaaten blieben die Schulen geschlossen.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Regierung mobilisierte Sicherheitskräfte und Militär verstärkt, um die Kontrolle wiederherzustellen. Das Auswärtige Amt mahnte Deutsche im Land zur Vorsicht. Einige Fluggesellschaften strichen aus Sicherheitsgründen ihre Flüge oder leiteten sie um.
Sorge vor der Fußball-WM im Sommer
Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-WM in diesem Jahr ist. Das Chaos ließ knapp vier Monate vor dem Turnier die Bedenken über Mexiko als Ausrichter wachsen. Das Land richtet die WM ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada aus. Bisher hat der Fußball-Weltverband FIFA aber nicht angekündigt, Spiele zu verlegen oder abzusagen.
US-Präsident Donald Trump nahm die Eskalation zum Anlass, den Druck auf das Nachbarland zu erhöhen. „Mexiko muss seine Anstrengungen im Kampf gegen Kartelle und Drogen verstärken“, schrieb er in den sozialen Medien. Trump hatte Sheinbaums Regierung schon in der Vergangenheit vorgeworfen, die Kontrolle an die Kartelle verloren zu haben.
Es gehe den kriminellen Organisationen jetzt darum, noch einmal Stärke zu zeigen, sagt Moritz Krawinkel, Referent der Menschenrechtsorganisation medico international in Mexiko im Interview mit tagesschau24.
Bevölkerung als Leidtragende
Entscheidend sei, was in den nächsten Wochen passiere, so Krawinkel. „Wo im Zweifelsfall andere kriminelle Organisationen versuchen werden, dem nun geschwächten Kartell Märkte streitig zu machen.“ Die Frage sei, ob die mexikanische Regierung, das was sie ausgelöst habe, auch halten könne – oder ob einmal mehr in diesem Krieg gegen die Drogen die Bevölkerung die Leidtragenden seien.
El Mencho war am Sonntag bei einem Einsatz mexikanischer Soldaten gefasst worden und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Er war der meistgesuchte Verbrecher des Landes, die USA hatten auf ihn eine Belohnung von 15 Millionen Dollar ausgesetzt. Das von ihm gegründete Kartell gehört zu den mächtigsten und brutalsten Mexikos. Zehntausende Menschen hat es getötet oder verschwinden lassen. Es verfügt über moderne Waffen wie gepanzerte Fahrzeuge oder Raketenwerfer.
Drogen, Menschen- und Waffenhandel
Kokain, Heroin, Crystal Meth sowie Fentanyl schmuggelt das Kartell in die USA. Dabei sind Drogen nur ein Geschäftsfeld: Menschen- und Waffenhandel, Entführung und Geldwäsche sind weitere Einnahmequellen. El Mencho wurde ein Milliarden-Vermögen zugeschrieben.
Mit Informationen von Jenny Barke, ARD-Studio Mexiko-Stadt
Source: tagesschau.de