Kürzlich zeigte sich ein Frankfurter Gastronom überrascht: Seitdem er Kartenzahlung anbietet, hat er mehr Gäste als je zuvor, berichtete er im Gespräch. Besonders junge Leute und Gruppen, für die dann einer mit Karte zahlt – etwa Geburtstagsfeiern oder Firmenfeiern –, kommen seitdem deutlich öfter. Hätte er das vorher gewusst, hätte er nicht so lange auf das Bezahlterminal verzichtet, erzählt er lachend. Es ist nur eine Anekdote, aber eine, die für viel steht, was aktuell in Deutschland beim Bezahlen passiert.
Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt. Es war kein einzelner Moment des Umbruchs, sondern das Ergebnis einer schleichenden, unumkehrbaren Entwicklung: Deutschland, einst ein Bargeldland, wird zum Kartenland. Setzt man die Entwicklung fort, die sowohl das EHI-Forschungsinstitut des Handels als auch die Bundesbank an der Kasse beobachteten, steht fest: Im Jahr 2025 werden erstmals mehr Menschen mit Karte gezahlt haben als mit Bargeld. Und das bestätigt eine Allensbach-Studie zum Bezahl- und Einkaufsverhalten: Sie kam zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006 zu dem Ergebnis, dass mehr Menschen mit Karte gezahlt haben als mit Bargeld. Die Gründe dafür sind zahlreich: Die Corona-Pandemie hat selbst hartnäckige Kartenverweigerer zu Kontaktloszahlern gemacht. Auch mit dem Handy zu bezahlen, ist mittlerweile kinderleicht. Zudem wissen es auch Händler zu schätzen, weniger Aufwand mit Bargeld zu haben.
Häufig werden Plattitüden wie „Nur Bares ist Wahres“ oder „Bargeld ist Freiheit“ bemüht. Doch es besteht kein Grund zur Sorge: Fast jedes Geschäft akzeptiert weiterhin Bargeld. Sie schaffen nun nur die Freiheit, dass der Konsument auch selbst wählen kann, wie er zahlen möchte, statt sie in ein Zwangskorsett aus Scheinen und Münzen zu zwängen. Da ist es eine gute Sache, dass sich die Koalition auf die Fahnen geschrieben hat, Kartenzahlung zur Pflicht zu machen, indem Händler und Dienstleister neben Bargeld immer auch eine digitale Zahlungsoption anbieten müssen.
Wer da noch dagegen lobbyiert wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, ist aus der Zeit gefallen. Noch immer wird das Argument vorgeschoben, dass bei Kleinstumsätzen die Kosten zu hoch wären. Das stimmt nur insofern, dass viele regionale Geldinstitute ihre Kunden bei der Kartenzahlung immer noch schröpfen. Doch wenn ein Händler die Preise bei der Vielzahl der Terminalanbieter nicht vergleicht, darf das nicht die Schuld der Konsumenten sein – und erst recht nicht ein Argument dafür, dass man keine Kartenzahlung anbietet. Im Jahr 2026 muss es für Händler möglich sein, ihren Kunden kostengünstige Kartenzahlung anzubieten. Denn letztlich profitieren sowohl Händler als auch Kunden von einer größeren Auswahl an Zahlungsoptionen.
Source: faz.net