Business-Ticker: KI-Unternehmen Anthropic sammelt 30 Milliarden Dollar ein

Kabelspezialist Lapp als Seismograf der Wirtschaft: In den Zahlen des Stuttgarter Unternehmens spiegelt sich die Verfassung der Industrie im Südwesten. Geht es den Unternehmen gut und investieren sie in ihre deutschen Fabriken und Werke, läuft das Geschäft bei Lapp, weil die Kunden Stromkabel und Datenleitungen brauchen. Ist das nicht der Fall, sinken die Umsätze des Familienunternehmens. „Die Deindustrialisierung, die ich bei uns wahrnehme, ist eine große Herausforderung“, sagt Lapp-Chef Matthias Lapp im F.A.Z.-Interview. 

Die Bilanz, die das Unternehmen am Mittwoch vorgelegt hat, zeigt dementsprechend eine zweigeteilte Welt. Nach einem Umsatzrückgang im Jahr zuvor sind die Erlöse im Ende Oktober zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2024/25 wieder gestiegen – und zwar um sechs Prozent auf 1,93 Milliarden Euro. Während vor allem das Geschäft im Heimatmarkt schwächelt, hat Lapp sowohl in Amerika als auch in Asien zweistellig zugelegt. „Unser Wachstum dort hilft durch schwierige Zeiten in den europäischen Märkten“, sagt Lapp. 

In den Vereinigten Staaten produziert Lapp seit mehr als 50 Jahren in einer eigenen Fabrik und ist so nur in geringem Maße bei der Einfuhr von Spezialkabeln in die USA von US-Zöllen betroffen. Auch in Asien unterhält Lapp eigene Werke – unter anderem in Indien, China, Korea und Indonesien – und hat Marktanteile hinzugewonnen. Dabei profitiert das Unternehmen von innerasiatischen Freihandelsverträgen, wie Lapp erläutert. In Indien eröffnete Lapp eine neue Fabrik, in China und in den USA liefen neue Produktionslinien an 

Auch wenn Matthias Lapp nicht zuletzt aufgrund der Freihandelsgespräche der EU mit Indien und Lateinamerika in den Auslandsmärkten von Lapp eine zunehmende Dynamik erwartet, blickt er mit Sorgen auf die heimische Industrie. „Die Reformen der Bundesregierung bleiben bisher hinter den Erwartungen zurück“, sagt Lapp. „Jetzt gilt es parteipolitische Individualinteressen beiseitezulegen und Ergebnisse zu liefern. Vor uns liegen Jahre der Transformation, für die es Pragmatismus, Innovationsoffenheit und Mut braucht.“ 

Vor allem fordert er mehr Vertrauen in die Unternehmer. „Der Staat entmündigt die Unternehmer teilweise und versucht, alles vorzugeben“, sagt Lapp. „Aber ich glaube, wir wissen schon, was wir tun.“ Mit dem Gewinn seines Unternehmens, den er nicht beziffert, ist der Lapp-Chef nicht zufrieden. Man mache keine Verluste, das Ergebnis sei positiv, gut, aber eben nicht gut genug. Auf die nächsten Monate blickt der 43-Jährige „vorsichtig optimistisch“, weil für Datencenter und Energieinfrastruktur Kabel gebraucht werden. 

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