Bund soll Überlast-Lkw bestrafenNRW will mit höheren Bußgeldern marode Brücken retten
25.02.2026, 19:41 Uhr
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Marode Brücken nerven besonders die Menschen in NRW. Das Bundesland will das ändern und Mitverursacher zur Kasse bitten. In einem Antrag fordert es von der Bundesregierung, die Bußgelder für Überlast-Lkw kräftig in die Höhe zu schrauben. Bisher sind die eher ein Witz.
Nordrhein-Westfalen will einem Medienbericht zufolge auf die starken Belastungen von Brücken durch Überlast-Lkw reagieren und das Bußgeld deutlich anheben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, will Verkehrsminister Oliver Krischer von den Grünen eine entsprechende Initiative in den Bundesrat einbringen. Damit soll die Bundesregierung aufgefordert werden, eine neue Verordnung zu erlassen und die Sanktionen zu erhöhen.
Fakt ist, dass über Jahrzehnte zu wenig Geld in den Erhalt der Infrastruktur geflossen ist. Brücken sind hierbei stark betroffen. Die Konsequenz sind nötige Ersatzbauten, zahlreiche Sperrungen und große Umwege für Pendler und Transportunternehmer. In Nordrhein-Westfalen sind besonders viele Brücken marode. Die Rahmedetalbrücke war lange gesperrt und musste gesprengt werden, die A59-Brücke zwischen Duisburg-Meiderich und dem Autobahnkreuz ist ebenfalls immer wieder gesperrt. Laut SZ ist auch die Uerdinger Brücke bei Krefeld eine „Problembrücke“. Dort wie andernorts dürfen Lastwagen, die mehr als 30 Tonnen wiegen, eigentlich nicht lang fahren, tun es aber trotzdem immer wieder.
Messungen hätten ergeben, dass die Uerdinger Brücke täglich von 170 solcher Lkw überfahren würde. In den vergangenen zwei Jahren – seither gibt es die Messungen – seien es 20.000 gewesen. Mit enormen Konsequenzen – allerdings für die Infrastruktur, weniger für die Spediteure.
140 Euro Strafe für 6 Tonnen Überlast
Denn, so heißt es in der SZ, ein 40-Tonner belaste eine Fahrbahn so stark wie 60.000 Autos zusammengenommen. Aber es kommt nicht nur auf das Gesamtgewicht an, sondern auf die Last auf den einzelnen Achsen der Lkw. Wenn die Ladung schlecht verteilt ist, schädige das die Brücke zudem überproportional stark. So entstehe bei einer Achslast von 20 Tonnen etwa das 16-Fache an Belastung für ein Bauwerk im Vergleich zu einer Achslast von zehn Tonnen, schreibt die SZ.
Die Bußgelder entfalten angesichts der erheblichen Auswirkungen auf die Brücken allerdings kaum Wirkung. Laut SZ werden bei fünf Prozent Überlast gerade einmal 30 Euro, bei zehn Prozent 80 Euro fällig. Selbst, wenn das Gesamtgewicht 20 Prozent zu hoch ist, müssen lediglich 140 Euro gezahlt werden – in diesem Fall wiegt der Lkw insgesamt allerdings schon 36 Tonnen, der Spediteur bringt also 6 Tonnen mehr Ladung an sein Ziel. Deren Warenwert dürfte 140 Euro um ein Vielfaches übersteigen.
„Weil die vorgesehenen Strafen teils weniger als 100 Euro betragen, kann es sich für die Unternehmen wirtschaftlich lohnen, Brücken trotz der Gewichtsbeschränkung und trotz der vorgesehenen Strafen zu befahren, um beispielsweise kürzere und schnellere Routen zu nutzen oder Zusatzfahrten einzusparen“, heißt es daher entsprechend im Antrag aus Nordrhein-Westfalen. Der wird auch von Innenminister Herbert Reul gestützt. „Wenn Verbote bewusst ignoriert werden, dann können wir nicht tatenlos zusehen“, sagt der CDU-Politiker der SZ. Einige wenige Verkehrsteilnehmer verschafften sich auf Kosten der Allgemeinheit einen Vorteil, weil es sich finanziell für sie lohne. „Am Ende leiden aber alle darunter, wenn Lkw vorsätzlich Brücken belasten, die erneuert werden müssen. Deshalb müssen wir jetzt nachsteuern.“
Source: n-tv.de