Bürgerkrieg im Sudan: Unicef-Gesandter vergleicht Lage im Sudan mit Genozid in Ruanda

Der Sudan-Gesandte des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Sheldon Yett, hat die Lage im Sudan mit dem Genozid in Ruanda in den 1990er-Jahren verglichen. „Vieles von dem, was in Teilen des Sudans gerade passiert, erinnert mich daran. (…) Die Freude am Töten“, sagte er dem Spiegel. „Es kommt zu gezielten Gewalttaten gegen verschiedene ethnische Gruppen.“

Die Berichte der Überlebenden seien erschütternd, sagte Yett. „Morde, Erpressung, Vergewaltigungen. Manche zahlen hohe Summen, um zu fliehen.“ Es herrsche ein völliger Zusammenbruch jeglicher Ordnung, sagte Yett, der eigenen Angaben zufolge den Völkermord in Ruanda in den 1990er-Jahren miterlebt hatte. „Der Sudan ist ein Testfeld für moderne Kriegsführung.“

In Ruanda leben hauptsächlich zwei Volksgruppen: die Hutu und die Tutsi. Vor dem Völkermord 1994 waren rund 85 Prozent der Bevölkerung Hutu und etwa 15 Prozent Tutsi. Während des Genozids töteten Hutu-Milizen Extremisten innerhalb von 100 Tagen rund drei Viertel der Tutsi-Bevölkerung.

„Sie essen Gras und Tierfutter“

Durch den Krieg ist der Sudan in Teilen von der Außenwelt abgeschnitten. Yett sagte, noch immer seien in Al-Faschir rund 260.000 Menschen eingeschlossen, die nicht entkommen könnten. „Sie essen Gras und Tierfutter. Viele sterben an Hunger oder weil Medikamente fehlen.“ Die Versuche, humanitäre Hilfe in Al-Faschir zu leisten, scheiterten regelmäßig, weil Fahrer und Lastwagen beschossen würden. Unicef ist eine der wenigen Organisationen, die derzeit versuchen, vor Ort Hilfe zu leisten.

Im Sudan kämpft die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) seit 2023 gegen die von der Armee unterstützte Regierung. Bei den Kämpfen wurden Zehntausende Menschen getötet, etwa zwölf Millionen Menschen mussten aus ihren Heimatregionen fliehen. In dem nordostafrikanischen Land herrscht nach Einschätzung der UN die schwerste humanitäre Krise der Welt.

Den RSF wird vorgeworfen, Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen und weitere Gräueltaten verübt zu haben, nachdem sie Al-Faschir in der Region Darfur eingenommen hatten. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag spricht von mutmaßlichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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