Es ist eine überraschende Wendung in einem seit Monaten laufenden Medienkrimi in Großbritannien: Der Axel Springer Verlag hat zugestimmt, für 575 Millionen Pfund (rund 660 Millionen Euro) die konservative Londoner Tageszeitung „Daily Telegraph“ zu übernehmen. Damit überbietet der deutsche Konzern (unter anderem „Bild“, „Welt“, Politico) den britischen Verlag DMGT von Lord Rothermere, dem Herausgeber der „Daily Mail“.
Dieser hatte seit 2025 über einen Kauf für 500 Millionen Pfund verhandelt und fühlte sich sicher, den Zuschlag zu erhalten, womit er die mit Abstand größte konservative Mediengruppe des Königreichs geschaffen hätte. Doch auf den letzten Metern ist nun Springer dazwischengegrätscht.
Der von Mathias Döpfer geführte Verlag hat sich der Übernahmeofferte eines Konsortiums angeschlossen, das Dovid Efune initiierte, der Eigentümer der kleinen, online erscheinenden „New York Sun“. Nun wird Springer die britische Traditionszeitung allein erwerben, hieß es am Freitag. Der 170 Jahre alte „Telegraph“, wegen seiner Nähe zu den Tories auch „Torygraph“ genannt, ist eine einflussreiche Zeitung auf der Insel. Sie gehörte seit 2004 den Milliardärsbrüdern David und Frederick Barclay, die sie aber wegen Überschuldung abgeben mussten. Die Lloyds Bank erzwang einen Verkauf. Eine Übernahme durch eine Investmentgesellschaft RedBird IMI, hinter der zum Teil die Herrscherfamilie aus Abu Dhabi steht, verhinderte die damalige Tory-Regierung vor gut zwei Jahren. Springer hatte schon vor mehr als zwei Jahrzehnten Interesse am „Telegraph“ gezeigt.
Springer-Chef Mathias Döpfner zufolge habe der Berliner Konzern schon vor mehr als 20 Jahren vergeblich versucht, das Unternehmen zu erwerben. „Nun wird unser Traum wahr.“ Der „Telegraph“ sei ein „Leitstern“ für den Unternehmensgründer Axel Springer gewesen, wird Döpfner in der Pressemitteilung zitiert. Nun wolle man die „Institution des britischen Qualitätsjournalismus“ zum „meistgelesenen und intellektuell inspirierenden, bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt“ machen.
Source: faz.net