Britische Regierung verweigert Rapper Kanye West Einreise zu Musikfestival

Stand: 07.04.2026 • 22:03 Uhr

Die britische Regierung verweigert dem US-Musiker Ye, ehemals Kanye West, die Einreise. Grund sind Nazi-Parolen und rassistische Beleidigungen. Nun fällt das Festival, bei dem er als Headliner auftreten sollte, aus.

Der britische Premierminister Keir Starmer schrieb beim Kurznachrichtendienst X: „Kanye West hätte niemals zum Wireless Festival eingeladen werden dürfen.“ Die Regierung stehe fest an der Seite der jüdischen Gemeinschaft und werde im Kampf, „das Gift des Antisemitismus“ zu bekämpfen, niemals nachlassen.

Gesundheitsminister Wes Streeting hatte gegenüber der BBC erklärt, es gehe bei West ja nicht nur um ein, zwei missratene Äußerungen: „Sein Verhalten ist inakzeptabel.“ Es gehe darum, dass er einen Song ‚Heil Hitler‘ veröffentlicht und Nazi-Parolen auf T-Shirts gedruckt hat. „Ich nehme ihm seine eigennützige Reue nicht ab und finde es von den Veranstaltern frech zu fordern, man solle ihm vergeben.“

Song mit dem Titel „Heil Hitler“ und Hakenkreuz-Kollektion

Das Innenministerium verweigerte dem US-Musiker, der sich nicht länger Kanye West, sondern Ye nennt, eine ETA-Einreiseerlaubnis, mit der Begründung, seine Anwesenheit sei dem öffentlichen Wohl nicht zuträglich. Die Kontroverse dreht sich unter anderem um den Song „Heil Hitler“ mit Nazi-Parolen und rassistischen Beleidigungen.

Das Machwerk brachte Skandalrapper Ye nebst einer Kollektion von Hakenkreuz-Klamotten vor rund einem Jahr auf den Markt. Der Online-Shop wurde kurze Zeit später gesperrt, der Song bei vielen Sendern und Streaming-Plattformen nicht gespielt. In rechten Talkshows leugnete der Musiker außerdem den Holocaust und lobte Hitler.

Künstler spricht von bi-polarer Erkrankung

Anfang dieses Jahres hatte Ye im Wall Street Journal dann um Entschuldigung gebeten. Er erklärte, all das habe sich in einer manischen Phase seiner bi-polaren Erkrankung abgespielt. Der Künstler ist derzeit auf Welttournee, trat gerade in ausverkauften Stadien in Los Angeles auf. Im Juli sollte er beim Wireless Festival in London als Top-Act auftreten. Und obwohl einige Sponsoren bereits ausgestiegen waren, hielten die Veranstalter bis zuletzt an ihm fest.

Melvin Benn, Geschäftsführer des Musikveranstalters Festival Republic, hätte sich gewünscht, man hätte dem Künstler eine zweite Chance gegeben, sagte er der BBC. Die Erklärung mit der bi-polaren psychischen Erkrankung fand Benn überzeugend. Nach dem Einreiseverbot für Ye haben die Veranstalter das dreitägige Wireless Festival nun komplett abgesagt, denn Ye hätte an allen Tagen als Headliner auftreten sollen.

Zwischenzeitlich hatte der 48-jährige Rapper Ye noch persönlich versucht, mit einer Erklärung auf die jüdische Community zuzugehen: „Mein einziges Ziel ist es, nach London zu kommen und ein Zeichen des Wandels zu setzen – indem ich durch meine Musik Einheit, Frieden und Liebe vermittle.“ Er wäre „dankbar für die Möglichkeit“, sich „persönlich mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich zu treffen – um zuzuhören“.

„Verzweifelter Versuch, das Konzert zu retten“

Michael Wegier, Chef vom Zentralverband der Juden in Großbritannien, unterstützt das Einreiseverbot der Regierung. Er wäre aber trotzdem bereit, sich an einem ernstgemeinten Versöhnungsprozess zu beteiligen, den könne er jedoch bisher nicht erkennen. Man habe grundsätzlich großes Mitgefühl mit jedem, der Probleme mit seiner psychischen Gesundheit habe, so Wegier in der BBC. Man wünsche „Mr. West vollständige Genesung“.

Und wenn er seinen ausführlichen Genesungsprozess durch Taten gegenüber der jüdischen Gemeinschaft untermauere, dann sei man auch bereit, sich mit der Frage der Aussöhnung zu beschäftigen. Aber Wests Erklärung sei nur ein verzweifelter Versuch gewesen, das Konzert zu retten.

Debatte über Wests Erklärung

Diskutiert wird natürlich auch, ob Wests Erklärung der bi-polaren Störung überhaupt akzeptabel ist. Dass Betroffene in einer manischen Phase die Selbstkontrolle verlieren können und Dinge tun oder sagen, die sie anschließend bereuen, ist medizinisch gedeckt. Aber es geht ja nicht um dahingeworfene Äußerungen. Sondern um das Verfassen und Produzieren extremistischer Musik inklusive des Vertriebs des dazugehörigen Merchandise.

Eventuell hätte ja auch jemand im Umfeld des Rappers, den gewerbsmäßigen rassistischen Wahnsinn stoppen können. Der Talkshow-Moderator James O’Brien griff das Thema in seiner Sendung bei LBC auf und erklärte, aus seiner Sicht stelle Wests Entschuldigung eine Beleidigung für alle von bi-polaren Störungen Betroffenen dar, die noch nie ihrem Leben T-Shirts mit Nazi-Parolen verkauft hätten.

Source: tagesschau.de