Der japanische Offizier der Ehrenformation hebt seinen Säbel, dann spielt ein Militärorchester die deutsche Nationalhymne. Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein japanischer Kollege, Shinjiro Koizumi, stehen auf einem kleinen Podest auf dem Marinestützpunkt Yokosuka vor einem Kriegsschiff.
Vor ihnen präsentieren japanische Soldaten in blau-weißer Galauniform ihre Gewehre. Mit militärischen Ehren wird der deutsche Verteidigungsminister in Japan begrüßt. Zum Auftakt seiner Reise nach Asien und Australien besuchte Pistorius bis Montag die japanische Hauptstadt Tokio und einen Stützpunkt im nahe gelegenen Yokosuka.
Pistorius hat 9.000 Kilometer von Berlin zurückgelegt, um seinen japanischen Kollegen zu treffen. Doch die Themen sind fast die gleichen wie derzeit in Deutschland. Die Lage im Nahen Osten, die Sperrung der Straße von Hormus durch das iranische Regime, der Beschuss von Tankern und die Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Gasproduktionsanlagen in Katar und Saudi-Arabien bestimmen die Gespräche auf der Reise.
„Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt konzentriert sich derzeit auf den Nahen Osten“, sagt der japanische Verteidigungsminister. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass andere Regionen, gerade der Indopazifik, vernachlässigt werden. Deshalb sei der Besuch des deutschen Ministers von großer Bedeutung. Japan und Deutschland würden sich im Krisenfall gegenseitig stützen.
Weitere wichtige Themen beim Austausch mit den Gastgebern sind für Pistorius der andauernde Krieg in der Ukraine, Chinas ständige Bedrohung Taiwans sowie die Gefahr, die von Nordkorea für die Region ausgeht. Pistorius sagt, dass alles zusammenhängt: „Denken Sie an Putins Krieg gegen die Ukraine: Nordkorea unterstützt Russland. Es sammelt Kampferfahrung, profitiert von russischem Know-how und modernisiert so seine Streitkräfte.“ Davon gehe auch eine Gefahr für die Sicherheit im Indopazifik und damit für Japan aus. Die Zusammenarbeit Chinas, Russlands, Nordkoreas und des Iran fordere beide Staaten heraus. Auch deswegen brauche es engere Verbindungen.
Pistorius betont auf seinem achttägigen Trip immer wieder, dass Deutschland nach Partnern sucht, die an die Stärke des Rechts glauben, nicht an das Recht des Stärkeren. Partner, die an einer multipolaren internationalen Ordnung festhalten. Wie dringend neue Allianzen sind, zeigt sich, während der Minister in Tokio für mehr Zusammenarbeit wirbt: Donald Trump droht dem Iran am Wochenende mit Schlägen gegen dessen Kraftwerke, falls das Regime in Teheran nicht binnen 48 Stunden die Blockade der Straße von Hormus beende. Am Montag verlängerte er die Frist. Wenig überraschend: Alles ohne Absprachen mit den traditionellen Verbündeten in Europa oder Asien.
Schließlich wurde die Regierung in Berlin von den USA ebenso wenig über den Angriff auf den Iran informiert wie die meisten anderen Partner inner- und außerhalb der Nato. Nach der Attacke gegen Venezuela im Januar, nach Trumps Forderung, Grönland von Dänemark zu erhalten, und den jüngsten Drohungen gegen Kuba war auch der Irankrieg ein sicherheitspolitischer Alleingang.
Und obwohl er die Europäer im Unklaren über seine Kriegspläne gelassen hat, fordert Trump die Nato-Staaten unverhohlen auf, ihn beim Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu unterstützen – ebenso Japan. Als die Regierungen in London, Paris, Berlin und Madrid ablehnten, ihre Marine im Kampfgebiet einzusetzen, beschimpfte Trump sie als „Feiglinge“.
Pistorius hat das geärgert. Er sagte von Anfang an, der Konflikt sei nicht unser Krieg. In Asien betont er, dass ein Engagement der Bundeswehr erst nach dem Ende der Kämpfe möglich sei – wenn überhaupt.
Japan gehört zu den engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten. Sie unterhalten dort riesige Basen, von denen auch Kriegsschiffe und Flugzeuge zu Angriffen auf den Iran aufgebrochen sind. Auch wenn Trump das Vertrauen verspielt hat, können die Regierungen nicht auf die US-Truppen in ihren Ländern und ihren Schutz verzichten. Aber alle wissen, dass Trump keinen verlässlichen Schutz bietet.