In manchen Wochen passiert viel an der Börse, an anderen warten die Anleger vorsichtig ab. Künstliche Intelligenz (KI) und die mit ihr verbundenen Chancen waren im vergangenen Jahr der große Kurstreiber, seit Kurzem rücken die möglichen Verlierer ihres Einsatzes stärker in den Blick. Anleger fürchten, dass die generative KI Geschäftsmodelle in Branchen von Software bis Logistik umkrempeln und den Wettbewerb verschärfen könnten.
Anfang Februar hatte der KI-Betreiber Anthropic mit seinem neuen Claude-Plugin, das auch juristische Aufgaben lösen kann, einen breiten Abverkauf bei KI-nahen Software- und Finanzaktien ausgelöst. Auch der chinesische Technologiekonzern Alibaba hatte am Montag dieser Woche ein neues KI-Modell vorgestellt, das darauf ausgelegt ist, komplexe Aufgaben eigenständig zu lösen. Dies drückte den bereits gebeutelten Index für die Software-Branche am Dienstag um zwei Prozent ins Minus.
„Im Software-Sektor kam es zu einer undifferenzierten Korrektur“
„Neue KI-Agenten sind inzwischen in der Lage, softwarebezogene Aufgaben zu übernehmen, und gefährden damit den über Jahre aufgebauten Wettbewerbsvorsprung vieler Softwareunternehmen“, schrieb Ann-Katrin Petersen vom Vermögensverwalter Blackrock. Der Ausverkauf bei Softwareaktien verdeutliche, dass Anleger die Beständigkeit einiger Geschäftsmodelle grundsätzlich neu bewerteten.
Benjamin Melman von Edmond de Rothschild Asset Management erklärte: „Im Software-Sektor kam es zu einer scharfen, weitgehend undifferenzierten Korrektur, die vor allem Softwareanbieter jenseits der ,KI-Gewinner‘ erfasste.“ Hintergrund sei die Sorge, dass Unternehmen KI nutzen könnten, um Software künftig stärker selbst zu entwickeln. Melman hält das für überzogen und verweist auf das sogenannte Jevons-Paradoxon: Wenn KI die Entwicklung effizienter und günstiger macht, könnte die Software-Nachfrage eher steigen als schrumpfen.
Aktienkurs vom Softwareherstellers Teamviewer sinkt stark
Für die Aktien des Softwareherstellers Teamviewer ging es zum Beispiel am Dienstag auf ein weiteres Rekordtief. Sie verloren drei Prozent und wurden begleitet vom Autozulieferer Aumovio , dessen Kurs 4,3 Prozent einbüßte. Laut dem Analysehaus Bernstein Research sind bei beiden Papieren die Verdrängungsrisiken durch KI noch nicht eingepreist.
Bei KI-Werten wuchs auch weiter die Zweifel, ob die massiven Investitionen in die nachgefragte Technologie tatsächlich zu den erhofften Umsatz- und Gewinnsteigerungen führen. In Amerika hatten die Sorge die Kurse in der Vergangenheit wiederholt auf Talfahrt geschickt. Diese Woche beflügelte zuerst am Mittwoch eine Erholung im Technologiesektor die US-Börsen. Allerdings belasteten am Tag darauf die Kursverluste der großen Techkonzerne Nvidia und Apple den Markt.
Spannungen zwischen USA und Iran belasteten auch Märkte
Der Dax pendelte im Lauf der Woche um die 25.000-Marke, nachdem er Mitte Januar mit 25.507 Zählern ein Rekordhoch erreicht hatte. Anleger verhielten sich zum Wochenstart mit einem Börsenfeiertag in den USA und ohne marktbewegenden Konjunkturdaten verhalten. Für Verunsicherung sorgten am Dienstag uneinheitliche Konjunkturdaten: Der Optimismus von Börsenprofis für die deutsche Wirtschaft trübte sich im Februar laut des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW leicht ein. Die DIHK hob ihre Konjunkturprognose dagegen an.
Unaufgeregt aufgenommen wurde von den Marktteilnehmern ein Bericht der „Financial Times“, wonach dass die EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihr Amt vorzeitig niederlegen wollen würde, um dem scheidenden französischen Präsidenten ein Mitspracherecht bei der Nachfolge-Wahl zu geben. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ erklärte Lagarde daraufhin, dass sie ihre Amtszeit bis zum Ende absolvieren wolle.
Zwischenzeitlich gab es die Hoffnungen auf einen neuen Dax-Rekord, doch die geopolitischen Spannungen zwischen Amerika und Iran belasteten die restliche Woche.
Steigender Öl- und Goldpreis
Anleger sorgen sich, dass es zu einer Eskalation zwischen den USA und Iran kommen könnte, die Gespräche über das iranische Atomprogramm in Genf führen. US-Präsident Donald Trump erhöhte am Freitag den Druck auf den Verhandlungspartner und forderte eine zügige Einigung innerhalb einer Frist von maximal 15 Tagen. Eine Verschärfung der Lage könnte den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus beeinträchtigen, über die rund 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs abgewickelt werden. Die angespannte Lage wird die Anleger auch kommende Woche beschäftigen.
Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich im Lauf des Freitags jeweils um knapp ein Prozent auf 72 beziehungsweise 67 Dollar je Fass. Auf Wochensicht haben die Notierungen sechseinhalb Prozent zugelegt. Hoch im Kurs standen auch wieder Edelmetalle, die in Krisen als sichere Häfen angesteuert werden: Gold knackte die Marke von 5000 Dollar pro Feinunze.
Konjunkturdaten sorgen kommende Woche für Bewegung
Nach einer Woche ohne marktbewegenden Konjunkturdaten blickten die Anleger am Freitag auf die erste Schätzungen zum BIP und PCE-Index, der die persönlichen Ausgaben der Konsumenten beleuchtet. Dieser gilt als wichtiges Inflationsmaß für die US-Notenbank Fed und Rückschlüsse auf den Zinspfad der Fed in den kommenden Monaten.
Ende dieses Monats stehen dann zudem viele Veröffentlichungen wirtschaftlich relevanter Daten an, wie der Ifo-Geschäftsklima, die BIP-Detailzahlen, das GfK-Konsumklima für März, der Verbraucherpreise für Februar, die Einzelhandelsumsätze im Januar sowie die Arbeitsmarktdaten. Diese könnten an den Märkten und damit für Kapitalanleger wieder für eine Woche mit mehr Bewegung sorgen.
Source: faz.net