Börsenneuling: Magnum liebäugelt mit Deutschland

Kurz nach seinem Börsengang lässt der niederländische Eiscremehersteller Magnum mit Überlegungen über eine neue Produktionsstätte aufhorchen – möglicherweise in Deutschland. Eine Sprecherin bestätigte auf F.A.Z.-Anfrage, „dass wir gerade schauen, ob wir noch eine Fabrik in Europa bauen wollen“. Konkreter war zuvor der Vorstandsvorsitzende Peter ter Kulve in der niederländischen Presse geworden: „Wir schauen nach ei­ner neuen Fabrik in Deutschland oder Ungarn, und in Indien sind vier neue Produktionsstätten geplant“, sagte ter Kulve im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung „FD“.

Magnum ist der größte Eishersteller der Welt und als eigenständiges Unternehmen frisch vom Konsumgüterkonzern Unilever abgespalten. „The Ma­gnum Ice Cream Company“ – wie das Unternehmen formell heißt – betreibt sein größtes europäisches Werk in Deutschland, nämlich in Heppenheim an der Bergstraße. Die Unternehmenssprecherin äußerte sich nicht dazu, ob eine mögliche neue deutsche Fabrik dort entstünde, als Expansion des beste­hen­den Werks oder an einem anderen Ort.

Die Überlegungen stehen im Kontext einer Strategie, die Produktion geographisch zu streuen: „Wir wollen ein Netz mehrerer Fabriken bauen, die dezentral produzieren“, sagte ter Kulve. Momentan schickten die bestehenden Standorte viele Produkte hin und her. Als Vorbild für seine Strategie nannte der Konzernchef die Fabrik in Neapel. Dort fertige Magnum für Europa, in der Vergangenheit seien nur 30 Prozent auf den örtlichen Markt Italien entfallen. Dieser Anteil sei auf 80 Prozent gestiegen. „So senken wir unserer Vertriebskosten“, sagte ter Kulve.

Mit dem Rennrad an der Eisfabrik vorbei

Aufhorchen lässt ter Kulves Aussage zur Zukunft des niederländischen Standorts Hellendoorn. Auf die Frage, ob der im Zusammenhang mit den Plänen geschlossen werde, sagte ter Kulve: „Vorläufig schließt die nicht, aber sage nie ‚Nie‘. Es ist zurzeit eine sehr gute Fabrik, voller Jugenderinnerungen. Ich bin da in meinen Pubertätsjahren immer vorbeigekommen, als ich mit meinem Rennrad über den Holterberg fuhr.“

Die Andeutungen geben Rätsel auf. Die Gewerkschaft CNV, die für Beschäftigte einen dreijährigen weitgehenden Bestandsschutz nach der Abspaltung ausgehandelt hat, hat nach eigenem Bekunden keine Hinweise auf tiefgreifende Einschnitte in Hellendoorn. „Wir haben keine Signale bekommen“, sagte die zuständige CNV-Frau Diana Kraan der F.A.Z.

Magnum steht nicht nur hinter der namensgebenden Eiscrememarke, sondern unter anderem auch hinter Langnese, Cornetto, Ben & Jerry’s. Das Unternehmen sieht sich als Branchenführer mit rund acht Milliarden Euro Jahresumsatz und einem Fünftel Marktanteil im globalen Einzelhandel. Es war im Dezember vom bisherigen Mutterkonzern Unilever in Amsterdam an die Börse gebracht worden – mit Zweitnotizen in London und New York. Unilever bleibt zunächst mit 19,9 Prozent beteiligt, wird den Anteil aber schrittweise abverkaufen.

Vor dem Börsengang im Dezember hatte der Börsenbetreiber den Zulassungspreis auf 12,80 Euro festgesetzt, entsprechend 7,8 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Die Aktie startete dann mit 12,20 Euro in den Handel, am Montag kostete ein Anteilsschein 13,07 Euro. Größter Branchenkonkurrent ist Froneri mit den Marken Häagen-Dazs, Mövenpick und anderen, er wird als Gemeinschaftsunternehmen von Nestlé mit der Beteiligungsgesellschaft PAI geführt.

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