Der blinde Roman (Bart Kelchtermans) schmeißt seinen ungeliebten Job im Callcenter hin, um sich bei der Rotterdamer Polizei zu bewerben. Die gründet eine neue Abhör-Einheit , um das organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Die launige niederländische Krimi-Serie „Blind Sherlock“ läuft in Doppelfolgen.
Ermittler mit Handicap haben derzeit Hochkonjunktur. In der ARD-Mediathek läuft der Brit-Krimi „Code of Silence – Tödliches Schweigen“ (seit 27. März) um eine gehörlose Lippenleserin in Canterbury. Die niederländische Krimiserie „Blind Sherlock“ erzählt nun vom blinden Roman (Bart Kelchtermans), der seinen ungeliebten Job in einem Callcenter hinschmeißt, um sich der Rotterdamer Polizei anzuschließen. Dort sucht der ruppige Ermittler Nico (Frank Lammers) Hör-Spezialisten, die das ausufernde Organisierte Verbrechen in einem der wichtigsten Häfen der Welt unter die Lupe nehmen sollen. Anfangs traut man dem netten jungen Mann mit Stock und Blindenhund nicht allzu viel zu. Doch die brillante Analyse eines Tathergangs – nur durchs Hören – überzeugt die Polizei-Profis. Das ZDF zeigt sechs Folgen der niederländischen Krimiserie an drei Sonntagen in Doppelfolgen. In der ZDF-Mediathek ist das Ganze bereits ab Freitag, 17. April, zu sehen.
„Du willst nicht wissen, wie das ist, eingeschlossen in deinem Kopf“, erinnert sich Roman an seine Kindheit. Nach einem Unfall hat er als Junge sein Augenlicht verloren und musste als Zwölfjähriger alles neu lernen. Die Serie „Blind Sherlock“, die über sechs Folgen eine fortlaufende Geschichte erzählt, ist ein modern gemachter Krimi, der aber auch von seinem Helden erzählt: Roman, einem warmherzigen und sympathischen Mann, der auch ein bisschen traurig über das sein darf, dass er sein Augenlicht verloren hat. Zuschauer, die sehen können, dürften sich über das in dieser Serie durchaus attraktiv in Szene gesetzte moderne Rotterdam freuen, denn „Blind Sherlock“ ist eine optisch durchaus hochwertige Produktion mit vielen Beauty-Shots rund um Stadt und Hafen. Doch auch Roman darf sich freuen, denn er erwartet mit seiner Freundin Caro (Sigrid ten Napel) sein erstes Kind. Nur blöd, dass er sich ausgerechnet jetzt in Gefahr begibt – denn er bekommt es in seinem neuen Job mit dem Organisierten Verbrechen zu tun.
In Deutschland können blinde Figuren (tatsächlich) sehen
Interessant ist auch die Machart des Krimis: Romans Hör-Analysen werden so in Szene gesetzt, dass die Zuschauer seine wechselnden oder sich erhärtenden Vermutungen, was er gerade hört, per Morphing in Bilder übersetzt bekommen. Während Roman hört, verändern sich schon mal die Gegenstände in einem Raum. Orte nehmen plötzlich andere Formen an oder Autotypen wechseln, weil er Modelle an ihren Geräuschen erkennt.
„Blind Sherlock“ hört sogar, wenn eine Telefonierende gerade Sex hat – obwohl sie es stimmlich den meisten Zuhörenden verbergen konnte. Szene wie diese zeigen: Die niederländische Serie arbeitet zwar (mal wieder) mit einem gehandicapten Ermittler, der fast schon Wunderdinge fabriziert, aber ein wenig humorvoller Abstand ist der Erzählung durchaus eigen.
Bart Kelchermanns, Darsteller des „Blind Sherlock“, ist übrigens ebenso blind wie „Code of Silence“-Darstellerin Rose Ayling-Ellis gehörlos ist. Zu loben ist dies im Sinne von Authentizität und Inklusion. Kleine Randnotiz: Zwei deutschsprachige Produktion auf diesem Spielfeld, Philipp Hochmair in „Der Wien-Krimi: Blind ermittelt“ und Christina Athenstädt in der Anwaltsserie „Die Heiland“, verkörpern als sehende Schauspieler blinde Ermittler – was man den Künstlern selbst nicht zum Vorwurf machen sollte. Die Produzenten der Serien wären an dieser Stelle gefragt.
Blind Sherlock – So. 26.04. – ZDF: 22.15 Uhr
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Source: stern.de