Der Klimaschutz kommt in Deutschland kaum voran: Vor allem Verkehr und Gebäude lassen den Ausstoß klimaschädlicher Gase steigen. Der Weg zur Klimaneutralität bleibt ambitioniert.
Bei der Einladung dürften sich so manche Beobachterin oder Beobachter verwundert die Augen gerieben haben. An einem Samstag stellen der Bundesumweltminister und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA) die Klimabilanz für das vergangene Jahr vor und den Ausblick für die Zeit danach.
So außergewöhnlich dieser Termin an einem Wochenende ist, so wenig überraschend scheint das zu sein, was Minister Carsten Schneider (SPD) und UBA-Chef Dirk Messner verkünden. Der Ausstoß klimaschädlicher Gase ist im vergangenen Jahr nur marginal gesunken – um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Anders formuliert: Die Entwicklung stagniert. Die Werte verharren und gehen nicht zurück.
Größter Rückgang bei der Industrie
Demnach wurden 2025 in Deutschland 648,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen, eine rechnerische Vergleichsgröße, die verschiedene klimaschädliche Gase zusammenfasst. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Summe 0,9 Million Tonnen Treibhausgase weniger ausgestoßen als im Vorjahr.
Dieser Wert ergibt sich aus den sechs Bereichen Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. Einzeln betrachtet schneiden diese sehr unterschiedlich ab. Den stärksten Rückgang an Treibhausgasemissionen verzeichnete das Umweltbundesamt für die Industrie – getrieben durch die schwache Wirtschaftslage und weniger Produktion in energieintensiven Branchen. Weniger Emissionen gab es auch in der Energiewirtschaft, weil mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde.
Bemerkenswert ist auch, dass sich der deutsche Wald, der zum Bereich Landwirtschaft zählt, nach den Trockenjahren zwischen 2018 und 2023 demnach wieder etwas erholt hat, sodass er 2025 wieder mehr CO2 aufnehmen konnte als er selber ausstößt.
Sorgenkinder Gebäude und Verkehr
Sorgenkinder bleiben hingegen die Bereiche Verkehr und Gebäude. Und das inzwischen seit einigen Jahren. In beiden Sektoren sind die Emissionen 2025 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Verkehrsbereich verzeichnet des Umweltbundesamt einen Anstieg um 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Im Gebäudesektor gibt es ein Plus von 3,4 Millionen Tonnen.
Das liegt einerseits am schleppenden Umstieg auf Elektroautos, andererseits am weiterhin weit verbreiteten Heizen mit fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl.
Ausblick bis zum Jahr 2030
Das sogenannte Klimaschutzgesetz gibt klar Klimaziele vor – bis hin zur Klimaneutralität im Jahr 2045. Dann soll Deutschland rechnerisch keine Treibhausgase mehr ausstoßen. 648,9 Millionen Tonnen klimaschädliche Emissionen im vergangenen Jahr, das bedeutet einen Rückgang um 48 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990.
Für das vergangene Jahr wird die gesetzliche Vorgabe von höchsten 661,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent eingehalten, sogar um rund zwölf Millionen Tonnen unterschritten. So gesehen liegt Deutschland für das vergangene Jahr im Soll.
Schwierig könnte es in den kommenden Jahren werden. Denn mittelfristig muss der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent sinken. Um das zu erreichen, müssten die Emissionen in diesem und den folgenden Jahren im Schnitt um 42 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sinken. Zur Erinnerung: 2025 waren es magere 0,9 Million Tonnen.
Dennoch sind der Umweltminister und der UBA-Präsident zuversichtlich, dass die Klimaziele mittelfristig erreicht werden können. Diese Einschätzung stützt sich auf alle bis November 2025 bekannten Informationen. Die umstrittenen Eckpunkte für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz („Heizungsgesetz“) sind deswegen genauso wenig berücksichtigt wie die aktuell explodierenden Öl- und Gaspreise infolge des Kriegs in Iran.
Kritik schon vor der Veröffentlichung
Ungeachtet dessen gab es schon vor der Vorstellung der Klimabilanz Kritik am Kurs der schwarz-roten Bundesregierung, angefacht durch die geplante Reform des einstigen „Heizungsgesetzes“, das weniger strenge Vorgaben fürs Heizen mit fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl vorsieht.
Pauline Schur vom Naturschutzbund NABU meint, „schon jetzt zeichnet sich ab, dass Deutschland seine Klimaziele mit den derzeit geplanten Maßnahmen kaum erreichen wird. Besonders problematisch ist, dass die Bundesregierung mit den Eckpunkten des Gebäudemodernisierungsgesetzes zentrale Emissionsminderungen im Gebäudesektor in Zukunft abschwächt“.
Hinzu kommt: Im Januar hatten die Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das sogenannte Klimaschutzprogramm der Ampel-Regierung festgestellt, dass die Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichen, um die gesetzlichen Klimaziele zu erreichen.
Die amtierende schwarz-rote Koalition muss deswegen nachzubessern. Aber Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz Deutschlands beobachtet das Gegenteil. „Aktuell gehen die Regierungsparteien in die entgegengesetzte Richtung, wie die Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz zeigen.“
Zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen
Hoffnung macht dem Umweltminister die steigende Akzeptanz für Klimatechnologien. „Die Nachfrage nach Elektroautos und Wärmepumpen ist 2025 enorm angestiegen. Und es gibt so viele neu genehmigte Windkraft-Projekte wie nie zuvor“, so Schneider.
Dennoch: Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen. Notwendig ist laut UBA-Präsident Messner ein weiterhin starker Ausbau der erneuerbaren Energien samt Speicher- und Netzinfrastrukturen sowie die Elektrifizierung im Verkehr und bei Gebäuden.
Ende März muss Umweltminister Schneider turnusgemäß ein sogenanntes Klimaschutzprogramm für Bundesregierung vorgelegen, das alle Maßnahmen beschreibt, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Das Paket wird mit Spannung erwartet. Eine Überraschung wird es aber zumindest nicht geben. Die Vorstellung des Klimaschutzprogramms ist für einen Wochentag geplant.
Source: tagesschau.de