Bettina Zimmermann: So ist ihr Leben denn Patchwork-Mama


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Bettina Zimmermann kehrt als Tierärztin ins Erste zurück. Im Interview spricht sie über Tiere am Set und ihren persönlichen Balanceakt.

Mit „Zwei Frauen für alle Felle: Pferdeliebe“ (6. März, 20:15 Uhr, das Erste) kehrt Tierärztin Dr. Maja Freydank (Bettina Zimmermann, 50) gemeinsam mit ihrer jungen Kollegin Julia Kramer (Meriel Hinsching, 33) auf den Bildschirm zurück – und mitten hinein in einen Konflikt zwischen Tierwohl, Profitgier und Leistungsdruck im Reitsport. Als ein verletztes Turnierpferd in ihrer Naumburger Praxis landet, geraten die idealistischen Veterinärmedizinerinnen nicht nur mit einem ehrgeizigen Konkurrenz-Tierarzt und knallharten Geschäftsinteressen aneinander, sondern auch an persönliche Grenzen: finanzielle Sorgen, familiärer Balanceakt und ein belastendes Geheimnis, das Julia mit sich trägt.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Schauspielerin Bettina Zimmermann über das Drehen mit echten Tieren, den besonderen Reiz der Saale-Unstrut-Region und darüber, wie sie den Spagat zwischen Privatleben als Patchwork-Mama und Job erlebt.

Die Arbeit mit echten Tieren am Set bringt Herausforderungen mit sich. Können Sie uns eine Geschichte erzählen, bei der ein Tier die Dreharbeiten auf charmante Weise „übernommen“ hat?

Bettina Zimmermann: Das passierte häufiger. Mit Tieren zu drehen, ist nie wirklich perfekt planbar. Viele Dinge passieren unverhofft. Ein Pferd, das plötzlich zum Blumenbeet geht, um zu fressen. Der Hase, der auf dem Arm plötzlich am versteckten Mikrophon knabbert. Der Hund, der eher zu genüsslich auf dem Untersuchungstisch liegt, weil er gerne gekrault wird und so gar nicht verletzt aussieht, sondern anfängt laut zu schnarchen, weil er eingeschlafen ist. Oder die Kuh, die plötzlich vom Tonmann die Angel – langer Stab an deren Ende ein Mikrophon hängt – mit der Zunge abschleckt. Es ist immer was los und man muss auf jede Eventualität gefasst sein. Aber das macht wahnsinnig viel Spaß – vor allem wenn plötzlich das Pferd seinen Kopf auf meine Schulter legt und kuscheln will – einfach nur schön.

Im dritten Film dreht sich vieles um Pferde und Turnierreiten. Haben Sie einen persönlichen Bezug dazu, vielleicht sogar Kindheitserinnerungen?

Zimmermann: Ich bin in frühen Jahren voltigiert und hatte später mit 25 auch ein eigenes Pferd. Pferde sind mir vertraut und es hat mich sehr gefreut, dass wir eine Folge mit diesen wundervollen Geschöpfen dreht konnten. Alleine schon der Geruch in einem Pferdestall weckt Kindheitserinnerungen.

Die Serie thematisiert realistische Konflikte von Selbstständigkeit, Idealismus und wirtschaftlichem Druck. Inwiefern erkennen Sie darin Parallelen zu Ihrer eigenen beruflichen Laufbahn als Schauspielerin?

Zimmermann: Schon einige. Als Selbständige muss man immer alles im Blick haben. Dass genügend Arbeit vorhanden ist, dass das Wirtschaftliche funktioniert, um Familie, Geschäft und Co. finanzieren zu können. Bei Maya kommt der Faktor Idealismus hinzu, dass sie in erster Linie den Tieren helfen will, ihren Beruf also nicht aus Profitgründen ausübt. Da die Balance zu finden und sich selber treu zu bleiben, ist nicht immer einfach. Als Schauspielerin ist das natürlich ähnlich. Anfangs ohne Kinder und Familie ist man da freier, weil man ja nur für sich verantwortlich ist. In dieser Phase geht es nur um die Leidenschaft zum Beruf. Wenn man dann aber auch die Verantwortung für Kinder hat, muss man natürlich schauen, dass der Beruf auch wirtschaftlich funktioniert, man sich dabei aber auch treu bleibt und nur Filme annimmt, die man spielen möchte. Schauspieler/in zu sein in heutigen Zeiten, ist nicht immer einfach.

Als Patchwork-Mutter und Schauspielerin leben Sie ein Familienmodell, das viele Zuschauerinnen wiedererkennen werden. Wie gelingt Ihnen persönlich die Balance zwischen Beruf und Familie in einem so lebendigen Alltag?

Zimmermann: Da mein Mann und ich beide Schauspieler sind, kennen wir beide den Beruf und wissen, was er mit sich bringt. Dreht der eine, kümmert sich der andere um die Familie und umgekehrt. Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei. Und die Kinder kennen es auch nicht anders, dass ihre Eltern keinen klassischen 9-to-5-Job haben, sondern auch mal unterwegs sind oder auch am Wochenende arbeiten. Wichtig ist eine gute Struktur innerhalb des Familienalltags und enge Absprachen. Wenn ich drehe, dann bin ich meist in einer anderen Stadt und habe abends die Möglichkeit, Dinge für mich zu unternehmen. Das ist dann meine Me-Time sozusagen. Allerdings vermisse ich meine Familie sehr schnell und freue mich immer, so viel Zeit wie möglich mit Ihnen verbringen zu können. Dafür nehme ich dann auch gerne den letzten Zug oder fahre immer direkt mit dem Auto nach Hause.

Die Kulisse der Naumburger Weinberge gibt der Reihe ein besonderes visuelles und emotionales Flair. Was macht diesen Ort für Sie als Schauspielerin speziell?

Zimmermann: Als wir zum ersten Mal dort gedreht haben, war ich gleich ganz angetan von der Gegend. Es hat einen solchen Erholungswert dort. Die Landschaft mit den Weinbergen ist ein Traum. Dort zu drehen, ist ein Glück. Alle sind freundlich, es gibt tolle Restaurants dort und der Wein soll wunderbar sein – ich kann ihn leider nicht beurteilen, denn ich trinke keinen Alkohol. Allerdings finde ich die 24/7 Weinautomaten sehr lustig, wo man sich rund und die Uhr Wein zapfen kann. Meine Kollegin Meriel Hensching schwärmt auch jedes Mal von der Weinwanderung (um Himmelfahrt herum), die in der Gegend dort immer stattfindet. Da geht man von Winzer zu Winzer und probiert die Weine. Einen ganzen Tag lang. Das ist wie eine kleine, lustige Völkerwanderung. Die Gegend hat wirklich viel zu bieten und ich kann nur wärmstens empfehlen, sie mal zu besuchen.

„Zwei Frauen für alle Felle“ erzählt auch von weiblicher Freundschaft und Zusammenhalt. Was bedeutet Ihnen diese starke Frauenfreundschaft – und wie ist die Chemie zwischen Ihnen und Ihrer Co-Darstellerin Meriel Hinsching?

Zimmermann: Meriel und ich haben uns von Anfang an gut verstanden. Auch abseits des Drehs haben wir Kontakt. Ich bin mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen, komme also aus einem Elternhaus mit Frauenüberschuss. Ich mag Frauen, kenne keine großen Zickereien, sondern eher schon immer, dass man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Meine beste Freundin kenne ich jetzt schon seit 48 Jahren. Frauenfreundschaften haben einen großen Anteil in meinem Leben.

Sie sind mit der NABU-Station Ihrer Mutter aufgewachsen und dadurch früh in Kontakt mit Tieren und Naturschutz gekommen. Hat diese Erfahrung Ihre Sicht auf das Tierwohl beeinflusst?

Zimmermann: Ich achte immer drauf, dass es den Tieren in meiner Umgebung gut geht. Also den Tieren, mit denen man Kontakt hat. Das war mir auch beim Dreh sehr wichtig, dass sich die Tiere wohlfühlen. Auch mit mir wohlfühlen. Deshalb nehme ich mir auch viel Zeit, dass sie mich kennenlernen. In den Pausen wurden dann auch oft Kuscheleinheiten der Tiere eingefordert. Selbst von den Kühen. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ich liebe es, Tiere zu streicheln und mich zu kümmern.

Sie haben mit ihrem Partner Kai Wiesinger auch die YouTube-Serie „Bei aller Liebe“ gestaltet. Gibt es Überschneidungen zwischen dem, was Sie beide dort besprechen und der Tierarzt-Serie?

Zimmermann: Ja, natürlich. Beide Formate erzählen aus dem alltäglichen Wahnsinn im Leben. Nur, dass es „Bei aller Liebe“ manchmal auch um die ganz kleinen Dinge in Beziehungen geht, die einen schonmal auf die Palme bringen können.

SpotOnNews

Source: stern.de