Die Deutsche Telekom will mit Starlink, dem Satellitendienst von SpaceX, die Netzabdeckung in Europa verbessern. Das teilte der Dax-Konzern am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit. Mobilfunk soll damit vom Jahr 2028 an vor allem in Gebiete kommen, in denen der Netzausbau etwa aufgrund der Topographie oder Naturschutzauflagen schwierig ist. „Auch dort wollen wir zuverlässige Konnektivität für unsere Kunden sicherstellen“, sagte Abdu Mudesir, der im Vorstand der Deutschen Telekom alles rund um Produkte und Technologie verantwortet. „Deshalb ergänzen wir unser Netz strategisch um Satellite-to-Mobile-Konnektivität.“
Die Telekom sprach von zunächst zehn Ländern in Europa, darunter auch Deutschland. In Amerika arbeitet T-Mobile US schon mit Elon Musks Satellitendienst zusammen, die amerikanische Tochtergesellschaft der Telekom war der erste Mobilfunkpartner von SpaceX überhaupt. Technisch funktioniert das mit dem sogenannten MSS-Spektrum von Starlink. Dieser Mobile Satellite Service soll es ermöglichen, dass sich ein Smartphone automatisch ins Satellitennetz von Starlink einwählt, wenn es sein normales 5-G-Mobilfunksignal verlieren sollte.
Zweites Sicherheitsnetz etwa bei Naturkatastrophen
Damit sollen handelsübliche Smartphones nicht nur kurze Notrufnachrichten versenden können, wie es heutzutage meist in Satellitenverbindungen zu Mobilfunkgeräten Standard ist, sondern auch Daten-, Video-, Sprach- und Messaging-Dienste – also all das, was auch im normalen 5-G-Netz möglich ist. Die Satellitenverbindung von Starlink soll nicht nur dort helfen, wo das terrestrische Mobilfunknetz nicht verfügbar ist, sondern auch die generelle Resilienz stärken. Indem es ein zweites Sicherheitsnetz ist, etwa in Fällen von längeren Stromausfällen oder Naturkatastrophen. Im Dezember hat Starlink etwa in Japan nach Erdbeben das Mobilfunknetz mit Satellitenverbindungen ergänzt. Auch in der von Russland angegriffenen Ukraine wird das Satellitennetz eingesetzt.
Die Telekom-Kunden in Europa sollen von 2028 an auf den Dienst zugreifen können, bis dahin will Starlink seine neue Satellitenkonstellation V2 ins All gebracht haben. In der Vergangenheit hatte sich der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges noch dagegen ausgesprochen, eine Starlink-Kooperation auch nach Europa zu bringen, und das unter anderem damit begründet, dass die Mobilfunkabdeckung in Europa im Vergleich zum Flächenland USA schon viel besser sei und sich so ein Geschäft auch kommerziell nicht lohne.
Die Telekom hatte sich danach mit dem amerikanischen Satellitenunternehmen Skylo zusammengetan und etwa in Griechenland einen Test gemacht, bei dem eine SMS über eine Satellitenverbindung an Smartphones gesendet wurden. Anders als Starlink betreibt Skylo aber keine eigenen Satelliten, sondern kauft sich die Infrastruktur bei Drittanbietern wie Terrasat oder Viasat ein.
SpaceX hat mit Abstand die meisten Satelliten im Orbit
SpaceX hingegen hat allein für Mobilfunkverbindungen seit Januar 2024 inzwischen 650 Satelliten ins All gebracht. Die fliegen auf einer Umlaufbahn von 350 Kilometern und damit noch näher als andere LEO-Satelliten, was für „low earth orbit“ steht. „Die Kooperation ergibt für uns kommerziell Sinn“, sagte Mudesir auf einer Pressekonferenz der Telekom am Montag auf der Mobilfunkmesse MWC. „Wir glauben, dass Starlink im Moment der einzige Anbieter ist, der zu unserem Anspruch eines guten Kundenerlebnisses passt.“
Um Mobilfunkverbindungen anbieten zu können, braucht es Spektrum. In den Vereinigten Staaten hat das Unternehmen im Herbst vom amerikanischen Konkurrenten Echostar Frequenzen für 17 Milliarden Dollar gekauft. In Europa hat Starlink bisher Kooperationen in der Schweiz mit dem Anbieter Salt, in Spanien mit Mas Orange, in Großbritannien mit Virgin Media O2 und in der Ukraine mit dem größten lokalen Mobilfunkanbieter Kyivstar.
Gerade die Zahl der Satelliten ist derzeit ein Wettbewerbsvorteil. So hat das Luxemburger Start-up OQ als erstes Unternehmen in Europa im Jahr 2025 einen Notruf per Satellit geschaltet. Aber OQ hat bislang zehn Satelliten im All, bis 2027 soll sich diese Zahl verdreifachen. Auch auf dem Mobile World Congress vorgestellt wurde Satellite Connect Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen von Vodafone und dem Satellitenanbieter AST Space Mobile. Das soll ebenfalls Mobilfunkverbindungen ermöglichen. AST Space Mobile hat bislang sechs Satelliten im Orbit. Der größte europäische Anbieter Eutelsat aus Frankreich kommt auf 600 LEO-Satelliten.