Besonders abhängig von NahostBericht: Iran-Krieg wird zu einer existenziellen Krise für Asien
05.04.2026, 10:22 Uhr
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Der Iran-Krieg sorgt für Chaos beim globalen Öl- und Gashandel. Was in Deutschland aktuell vor allem zu höheren Benzinkosten führt, hat für viele Länder in Asien bereits jetzt drastischere Konsequenzen. Ein Bericht zeigt, dass der Kontinent auch langfristig in eine Abwärtsspirale geraten könnte.
Der Krieg im Nahen Osten entwickelt sich immer mehr zu einer Krise für den asiatischen Kontinent. Rund 80 Prozent des Öls und 90 Prozent des Gases, die üblicherweise durch die Straße von Hormus transportiert werden, sind laut einem Bericht des „Economist“ für asiatische Märkte bestimmt. Besonders hart treffe es dabei arme Länder.
Demnach stammen auf den Philippinen 90 Prozent der Energieimporte aus dem Nahen Osten. Bangladesch, Indien und Pakistan erhielten fast zwei Drittel ihrer gesamten Flüssiggas-Lieferungen über die Straße von Hormus. Doch auch wohlhabende asiatische Länder seien keinesfalls immun. Japan verfüge zwar über strategische Ölreserven, die dem Bedarf von 254 Tagen entsprächen – dennoch wurden Bus- und Fährdienste im ganzen Land wegen Lieferengpässen eingeschränkt.
Dem Bericht zufolge birgt die Schließung der Straße von Hormus drei große Risiken für asiatische Volkswirtschaften. Steigende Kraftstoffpreise erhöhen die Kosten auch in anderen Bereichen und bremsen das Wachstum, was potenziell zu einer Stagflationsspirale führen könne. Unter Stagflation versteht man eine Kombination aus hoher Inflation und niedrigem Wirtschaftswachstum.
Benzinpreise steigen teilweise um mehr als 70 Prozent
Aktuell spürten Autofahrer in der gesamten Region zunächst die unmittelbaren Folgen. Während die Benzinpreise seit Kriegsbeginn weltweit um 14 Prozent gestiegen sind, liegt der Anstieg in südostasiatischen Ländern bei 42 Prozent. Auf den Philippinen und in Myanmar sind die Preise laut Bericht sogar um mehr als 70 Prozent gestiegen.
In anderen Teilen Asiens, wie etwa Indien oder Bangladesch, sei der Preisanstieg an den Zapfsäulen bisher nur deswegen deutlich weniger spürbar, weil die Regierungen die Kraftstoffpreise kontrollieren. Auch in Südkorea, das 70 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten importiert, hat die Regierung eine Preisobergrenze für Kraftstoff eingeführt.
Das zweite große Risiko betreffe daher die Haushaltsbilanzen der asiatischen Staaten, die mehr Schulden aufnahmen müssen, um die Energiesubventionen zu finanzieren. Gerade für Länder wie Pakistan, das unter Beobachtung des Internationalen Währungsfonds steht, ist diese Art der Finanzierung nur begrenzt möglich. Eine Weitergabe der Preise an die Verbraucher sei daher längerfristig unumgänglich, schreibt das Magazin – davon wären insbesondere arme Menschen betroffen.
Unabhängig vom Regierungshandeln sei eine gewisse Inflation unvermeidlich und die größte inflationäre Kraft könnte durch Lebensmittel entstehen, heißt es. Der Krieg habe etwa ein Drittel des globalen Seehandels mit Düngemitteln erfasst, was die Preise in die Höhe treiben dürfte. Experten schätzen, dass die Preise in Asien je nach Dauer des Kriegs um mehr als fünf Prozent steigen könnten.
Das dritte große Problem sei abseits von Preisen schlicht und ergreifend die Verfügbarkeit von Öl und Gas. Die Philippinen, Vietnam und Thailand verfügten nur über genügend Ölreserven an Land, um etwa drei Wochen des normalen Verbrauchs abzudecken, so der „Economist“.
Source: n-tv.de