Berlinale-Abschluss: Carsten Schneider kritisiert propalästinensische Rede

Umweltminister Carsten Schneider hat am Samstagabend während einer Rede bei der Preisverleihung der Berlinale den Saal verlassen. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib, dessen Film „Chronicles From the Siege“ als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet wurde, hatte der Bundesregierung bei seinem Auftritt auf der Bühne vorgeworfen, als Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu agieren.

Schneider sagte später, er halte diese Aussagen für nicht akzeptabel. Alkhatib hatte eine palästinensische Flagge mit auf die Bühne gebracht. Der Filmemacher sagte, eines Tages werde es ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben. „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“, sagte er. „Ein freies Palästina von jetzt bis ans Ende der Welt.“ Im Saal waren Applaus und Zwischenrufe zu hören.

Zuvor hatte bereits die libanesische Filmemacherin Marie-Rose Osta, die den Goldenen Bär für den besten Kurzfilm gewann, auf der Bühne die israelische Kriegsführung kritisiert. Moderatorin Désirée Nosbusch sagte anschließend: „Und ich bin mir sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus.“

Dutzende internationale Künstler, darunter Javier Bardem und Tilda Swinton, hatten in einem offenen Brief das „Schweigen“ der Berlinale zum Gaza-Krieg kritisiert. Anlass war, dass Jurypräsident Wim Wenders bei einer Pressekonferenz auf eine Frage zum Nahost-Konflikt und zur Rolle des Festivals geantwortet hatte: „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten.“ Die indische Autorin Arundhati Roy hatte deswegen ihre Teilnahme am Festival abgesagt.

Die Unterzeichner des Briefs zeigten sich daraufhin „entsetzt“ über das „institutionelle Schweigen“ des Festivals und „bestürzt“ über dessen „Beteiligung an der Zensur von Künstlern, die Israels andauernden Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen ablehnen“.

Source: faz.net