Berlin Art Week: Das Geld tropft nicht nachdem unten durch


Während der Berliner Kulturszene fleißig die Gelder gestrichen werden, beginnt das Ringen um die knappen Mittel und ums Überleben

Collage: Cathrin Hoffmann und Sophia Süßmilch


Die Kürzungen im Etat treffen die Berliner Kulturszene hart. Während Berliner Künstlerinnen und Institutionen um ihre Ateliers, Programme und Existenz kämpfen, schrumpft die Solidarität im Wettbewerb um knappe Mittel auf der Berlin Art Week

Vielleicht ist es das Unangenehmste daran, wenn das Geld zu schwinden droht: Man gönnt es einander nicht mehr. So ist das in Berlin, wo der Kürzungshammer des aktuellen Senats die gesamte Kulturszene ins Wanken brachte, sodass die zur Stabilität erst mal die Ellbogen platzierte.

Wer kriegt was und warum? Wer kennt wen? Wer spricht wo? Und als wäre es nicht genug Schaden, dass Atelierprogramme eingestellt werden oder das Berliner Ensemble noch mainstreamiger programmiert, gab es während der Berlin Art Week weiteres Munkeln: Die Förderung steht auf dem Spiel.

Für die BAW gab es in diesem Jahr 300.000 Euro von der Senatsverwaltung für Kultur, 150.000 Euro von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, und die seien in Zukunft nicht gesichert, so soll es den geförderten Kulturinstitutionen mitgeteilt worden sein.

Und schon geht das Fragen los: Wer sollte was kriegen? Warum bildet sich die längste Schlange da, wo am meisten Geld ist? Und sind es nicht eh zu viele Veranstaltungen? Natürlich gibt es tolle Kunst zu sehen, etwa die wunderbaren Malereien von Lukas Luzius Leichtle im Kunstraum CCA, die von Ulrike Theusner in der Galerie Eigen+Art, bei Marc Henry in der Galerie Anton Janizewski oder bei Issy Woods erster Soloschau in Deutschland, kuratiert von Lina Luisa Krämer im Schinkel Pavillon.

Viel! Viel! Viel!

Aber wenn das Geld knapp ist, dann findet sich die größte Solidarität meist bei denen, die eh wenig Geld zur Verfügung haben. (Oder ist das ein ganz mieses Vorurteil?) Jedenfalls konnte man das bei Sophia Süßmilchs Anti-Gentrifizierungs-Projekt in Kreuzberg so deuten. Zusammen mit der Künstlerin Cathrin Hoffmann, die sich in Skulpturen und Bildern, grob gesagt, dem Körper widmet, hat Süßmilch (die mit dem Skandal in Osnabrück) eine Remise mit Kunst von 40 Künstlerinnen und Künstlern bespielt. Maximal hieß das.

Maximale Verdichtung war das Motto und spielte damit auf die Art des Kunstkonsums während der BAW an (viel! viel! viel!) und nahm Bezug zum Ort. Die Remise liegt in einem ehemaligen Gewerbehof, neben Kirche und Moschee, daneben eine leer stehende Schlachterei, die Werkstatt eines 85-jährigen Automechanikers, eines Marktstandbauers und eben die Remise, die aktuell noch als Kunstatelier genutzt wird, aber nun abgerissen werden soll.

Weil in Kreuzberg immer noch irgendwo ein Townhouse hinpasst, für die sich fortpflanzende kreative Klasse, die ja auch unterhalten werden und Kunst konsumieren will. Und vielleicht ist es das Unangenehmste, wenn Geld da ist, dass es sich breitmacht, ohne nach unten zu tropfen.

AntonBerlinBerliner EnsembleDeutschlandEuroFörderungGeldHenryKrämerKreuzbergKulturKunstLinaLuisaLukasMANMarcUlrikeWeilWirtschaftWoods
Comments (0)
Add Comment