Herzlichen Glückwunsch, liebe Autofahrer! Von nun an wissen Sie immer, wann Sie am günstigsten tanken. Und das ist: am späten Vormittag, am besten nach zehn Uhr, aber auf keinen Fall nach zwölf. So bald wie möglich soll das Gesetz in Kraft treten, das der Bundestag am Donnerstag beschlossen hat. Vielleicht noch vor Ostern.
Die offizielle Regelung lautet: Tankstellen dürfen nur noch einmal am Tag ihren Preis erhöhen, und zwar um zwölf Uhr. Wie die Tankstellen darauf reagieren, das kann sich jeder selbst überlegen – man kann es aber auch in Österreich beobachten, nach dessen Vorbild die Regel eingeführt wird.
Dort lassen die Tankstellen um zwölf Uhr ihre Preise nach oben schießen. Dabei schlagen sie im Zweifel den einen oder anderen Cent zusätzlich drauf, als Sicherheit, denn nach oben korrigieren können sie sich ja später nicht mehr. Dann beginnt der Abstieg der Preise. Immer mal unterbietet eine Tankstelle die andere, den Nachmittag über, die ganze Nacht und am nächsten Vormittag – bis die Kirchturmglocke zwölf schlägt und alles von vorne beginnt.
In Deutschland schwanken die Preise bisher ständig, täglich geht es mehrmals nach oben und wieder nach unten. Trotzdem wissen die meisten Deutschen, wann sie gut tanken können, nämlich am Abend ungefähr zwischen 18 und 21 Uhr. Das erledigen manche Pendler noch auf dem Heimweg von der Arbeit, andere verbinden den Tankstopp mit dem Einkauf, oder sie absolvieren ihn auf dem Weg zum Sportverein. 40 Prozent der Deutschen schaffen es, zu den günstigsten Preisen zu tanken, so hat es das Bundeskartellamt ermittelt: zu Kosten aus dem untersten Viertel der täglichen Preise.
Wer tagsüber arbeitet, kann kaum noch billig tanken
Künftig werden die Preise übersichtlicher. Umso klarer ist aber auch: Wer weiterhin abends tankt, der kommt nicht mehr so billig davon. Die günstigsten Preise erwischt, wer am späten Vormittag zur Tankstelle fahren kann. Das sind eher nicht die arbeitenden Leute, denn selbst auf Teilzeitstellen haben viele erst nach zwölf Uhr frei. Wer tagsüber arbeitet, tankt künftig am besten am Wochenende auf dem Weg zum Supermarkt. Zur größten Not muss man sich morgens abhetzen, um auf dem Weg zur Arbeit noch einen Tankstopp einzuschieben.
Vielleicht wäre eine andere Zeit besser gewesen. Fleißiger sollen die Deutschen werden, findet die Bundesregierung. Da könnte man doch einen Anreiz zum Frühaufstehen setzen: Die Preise steigen um sieben Uhr – und wer vorher tankt, spart am meisten Geld. Das hätte nur den Haken, dass dann manche Tankstelle erst um 7.30 Uhr öffnet, weil sie dann die Preisentscheidungen der anderen beobachten kann, bevor sie sich selbst festlegen muss.
Preiserhöhungen lieber abends?
Andererseits möchte die Bundesregierung ja, dass wir länger arbeiten. Wie wäre es dann mit einer Preiserhöhung am Abend gewesen, zwischen 19 und 21 Uhr? Je länger man im Büro bleibt, desto billiger kann man auf dem Heimweg tanken. Die Tankstellen hätten davon auch etwas: Im aufwendigen Nachtdienst würden dann hohe Preise fällig, die nach einigen Verhandlungen mit den Ölkonzernen tatsächlich beim Tankstellenpächter ankommen könnten. Vielleicht blieben dann mehr Tankstellen länger geöffnet. Auch diese Zeit darf man allerdings nicht überreizen, sonst geht es wieder mit dem Schließen los.
Schon diese kurzen Überlegungen zeigen: Es ist gar nicht so einfach, den richtigen Moment für Preiserhöhungen zu finden. Man könnte das den Tankstellen auch selbst überlassen: Jede darf einmal am Tag erhöhen, aber über den Zeitpunkt selbst entscheiden – wie wäre es damit?
Die Bundesregierung behauptet, die Regelung würde keine Bürokratiekosten verursachen. Das wird sich als falsch herausstellen, nämlich spätestens mit dem ersten Gerichtsprozess um eine Preiserhöhung, die wegen fehlerhafter Technik erst um 12:07 Uhr stattgefunden hat. Insofern wäre es womöglich doch am besten, die Tankstellen dürften ihre Preise weiterhin ganz frei festlegen. Offenbar finden ja trotzdem viele Autofahrer ihre günstigen Preise.