Belgien: Ex-EU-Kommissar muss wegen Lumumba-Mord vor Gericht

Stand: 17.03.2026 • 17:37 Uhr

Ein 93-jähriger belgischer Politiker soll an der Ermordung des ersten Premierministers des Kongo beteiligt gewesen sein – nun muss er deshalb vor Gericht. Lumumba wurde 1961 getötet, ein Jahr nach der Unabhängigkeit von Belgien.

Weil er bei der Ermordung des ersten Premierministers des Kongos, Patrice Lumumba, mutmaßlich eine Rolle gespielt hat, muss der ehemalige belgische Spitzenpolitiker Étienne Davignon vor Gericht. Die Ratskammer in Brüssel entschied, dass der heute 93-Jährige sich einem Strafprozess stellen muss, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, dass Davignon unter anderem wegen bestimmter Formen der Beteiligung an Kriegsverbrechen und unrechtmäßiger Freiheitsberaubung vor das Strafgericht treten muss.

Äußerst brutale Kolonialherrschaft

Konkret geht es um die Rolle Davignons bei der Ermordung Lumumbas 1961. Der erste Ministerpräsident des 1960 von Belgien unabhängig gewordenen Kongo wurde nach seinem Sturz erschossen.

Vorwürfen zufolge sollen dabei Belgien und die USA ihre Finger im Spiel gehabt und Davignon als junger belgischer Diplomat eine Rolle gespielt haben. Belgien war unter dem ehemaligen König Leopold II. Kolonialmacht im Kongo und regierte mit brutalsten Methoden.

Letzter noch lebender Angeklagter

Ein Sohn Lumumbas hatte vor etwa 15 Jahren eine Klage gegen rund ein Dutzend Belgier eingereicht, die seiner Ansicht nach mit dem Tod in Verbindung gestanden haben könnten. Davignon, der von 1977 bis 1985 EU-Kommissar und auch Vizepräsident der Behörde war, ist der einzige Angeklagte, der noch lebt.

Patrice Lumumba galt als charismatischer Sozialist und wird vielerorts noch heute als eine Symbolfigur afrikanischer Unabhängigkeit verehrt.

Source: tagesschau.de