Beiruts Bewohner sollen flüchten: Netanjahu: Greifen weiter im Libanon an – „wo immer“ nötig

Beiruts Bewohner sollen flüchtenNetanjahu: Greifen weiter im Libanon an – „wo immer“ nötig

09.04.2026, 17:55 Uhr

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Das israelische Militär hatte die libanesische Hauptstadt am Mittwoch massiv bombardiert – Hunderte Menschen wurden getötet und verletzt. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Kurz nach massiven Attacken des israelischen Militärs auf den Libanon mit Dutzenden Toten ruft Israel erneut zur Evakuierung auf. Man werde angreifen, bis die Sicherheit Israels „vollständig wiederhergestellt“ sei, kündigt Premier Netanjahu an. Aus Berlin erntet er dafür ernste Kritik.

Nach den jüngsten israelischen Angriffen auf den Libanon mit mehr als 200 Toten hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weitere Angriffe auf Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz angekündigt. Es werde weitere Angriffe geben, „wo immer“ das „nötig“ sei, bis die Sicherheit für Bewohner im Norden Israels „vollständig wiederhergestellt“ sei, erklärte Netanjahu auf X.

Das israelische Militär erklärte, es gehe weiter mit Bodentruppen im Südlibanon vor. In der Nacht zum Donnerstag seien zwei wichtige Übergänge getroffen worden, die von Hisbollah-Kämpfern zum Transport von „tausenden Waffen, Raketen und Abschussvorrichtungen“ über den Fluss Litani Richtung Süden genutzt worden seien, hieß es in einer Erklärung der Armee. Mehrere Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Gefechtsstände seien angegriffen worden.

Die israelische Armee hatte am Mittwoch nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mehr als 200 Menschen getötet und mehr als 1100 weitere verletzt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach von „mehr als 200 Terroristen, die gestern eliminiert wurden“. Die Hisbollah-Miliz reagierte mit Raketenangriffen auf Israel.

Vertriebene sollen erneut flüchten

Das israelische Militär hatte jüngst weitere Teile der libanesischen Hauptstadt Beirut als mögliche Angriffsfläche markiert. Bewohner der südlichen Vororte sowie zum ersten Mal auch des gesamten Stadtteils Dschnah wurden zur sofortigen Flucht aufgerufen, wie es in einem Post eines israelischen Armeesprechers in arabischer Sprache hieß. In Dschnah sind viele Vertriebene aus den Vororten untergekommen. Bewohner der Vororte wurden bereits seit Beginn des Krieges Anfang März von Israel zur Evakuierung aufgerufen. Am Rande von Dschnah liegt auch das größte Stadion des Landes. Dort haben die Behörden mit der Hilfe von Hilfsorganisationen im Zuge des Krieges eine Notunterkunft für Geflüchtete eingerichtet.

Augenzeugen berichteten, dass einige von ihnen nach dem Fluchtaufruf das Stadion aus Angst verlassen hätten. Im gesamten Stadtteil sei Panik ausgebrochen. „Menschen schrien auf den Straßen“, sagte eine Anwohnerin. Israels Armee kündigte an, in den betroffenen Gebieten gegen militärische Infrastrukturen der Hisbollah vorgehen zu wollen. Auch die Hisbollah reklamierte erneut mehrere Angriffe auf Israel und auf israelische Stellungen im Südlibanon für sich. Im Norden Israels gab es wegen des Beschusses der Hisbollah-Miliz am Nachmittag erneut Raketenalarm.

Nach Ansicht Israels und der USA erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte und in der Nacht zu Mittwoch (MESZ) verkündete zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg nicht auf den Libanon. Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Anfang März weitete er sich auf den Libanon aus.

Botschafter: Iran steuert Hisbollah

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, bezeichnete die Hisbollah derweil als iranisches Instrument und forderte Europa zu einer klareren Haltung auf. „Die Hisbollah wird aus Teheran gesteuert, bewaffnet und finanziert“, sagte Prosor laut einer Mitteilung der israelischen Botschaft in Berlin. „Das Regime hält den Libanon faktisch in Geiselhaft, um seine Stellvertreterstruktur zu sichern.“

Der Botschafter warf der libanesischen Regierung vor, ihre internationalen Verpflichtungen nicht erfüllt zu haben – insbesondere die UN-Resolution 1701 und die Entwaffnung der Hisbollah. Während von Deeskalation gesprochen werde, setze die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Zivilisten fort. „Diese Realität darf nicht ausgeblendet werden.“ Die UN-Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat im August 2006 nach dem Libanonkrieg zwischen Israel und der Hisbollah verabschiedet. Sie fordert unter anderem die Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen im Libanon und den Rückzug der Hisbollah nördlich des Litani-Flusses.

Mit Blick auf Europa mahnte Prosor: „Wer Israel unter Druck setzt, während Iran die Hisbollah weiter lenkt, handelt nicht neutral – sondern stärkt Teheran.“ Israel werde die Sicherheit seiner Bürger nicht delegieren.

Kanzler Friedrich Merz kritisierte hingegen die israelische Kriegsführung im Libanon. Man sehe die Lage in der gesamten Region mit großer Besorgnis, sagte der CDU-Politiker – aber mit besonderer Besorgnis die Lage im Süden des Libanon. „Die Härte, mit der Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen. Und das darf nicht geschehen“, betonte Merz. „Deswegen habe ich gestern auch mit weiteren Staats- und Regierungschefs die israelische Regierung gebeten, ihre nochmals verschärften Angriffe zu beenden.“

Quelle: ntv.de, spl/AFP/rts/dpa

Source: n-tv.de