Der Konflikt zwischen Vatikan und Weißem Haus ist ein Machtkampf zwischen christlichem Nationalismus und einer humanitär argumentierenden Weltkirche. Doch keine Seite sollte sich auf Solidarität von links verlassen
Trump als Jesus: „Ich bin doch nur ein Arzt“
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„Gott erhört keine Gebete von Menschen, an deren Händen Blut klebt“, verkündete Papst Leo XIV. am Palmsonntag. Ein Satz, bei dem es nicht verwundern würde, wenn er diesen Sommer auf Caps und T-Shirts von Rom-Tourist*innen zu lesen sein würde. In der Sprache von Internet-Beefs war das ein „non-mention“, ein sogenannter Lästerbeitrag.
Der Papst winkte mit dem Zaunpfahl in Richtung MAGA und US-Kriegsminister Pete Hegseth. Dieser forderte kurz zuvor bei einem Gottesdienst „keine Gnade“ für seine Feinde und betete das „Vater Unser“ für den Krieg gegen den Iran – und machte aus „im Namen des Vaters“, „im Namen des Krieges“.
Der Konflikt zwischen dem Vatikan und den USA ist zum Glück – als kaum noch praktizierender Katholik sage ich sogar Gott sei Dank – nur ein verbaler. Anders als bei Konflikten, die der US-Präsident zuletzt mit Staatschefs anzettelte, kommt dieser ohne Sanktionen, Boykotte, Einreisesperren, Ausbürgerungen oder Abschiebungen aus. Von Entführungen ganz zu schweigen.
Doch auf popkultureller Ebene und in ihrer journalistischen Berichterstattung erleben wir vermutlich den „Beef“ des Jahres. Zumindest, was die Memes betrifft, kommt es dem Beef zwischen Kendrick Lamar vs. Drake sehr nah. Die beiden Rapper hatten sich 2024 darüber gestritten, wer der Größere ist.
Showkampf: Wem gehört das christliche Gottesbild?
Vorläufiger Höhepunkt war das KI-Bild von Trump als Jesusfigur, das angesichts zu Recht Blasphemie rufender MAGA-Anhänger rasch wieder verschwunden war. Was Trump nicht davon abhielt, kurz darauf ein neues Bild zu posten, das ihn neben Jesus zeigt.
Während Papst Leo also von einem Gott spricht, der keine Kriege in seinem Namen ausgefochten sehen möchte, stilisiert MAGA den Krieg gegen den Iran zu einem Heiligen Krieg. Und darin zeigt sich, dass es hier um nichts weniger als die Deutungshoheit über das christliche Gottesbild geht.
Im Sinne dieses aufmerksamkeitsökonomischen Showkampfs, befindet sich in der einen Ecke des Boxrings ein evangelikaler, alttestamentarischer, durchaus rachsüchtiger Gott, der sich für nationale und imperiale Interessen vereinnahmen lässt. In der anderen, vertreten von Papst Leo, ein Gott des neuen Testaments, der auf Versöhnung und Diplomatie setzt und sich hervorragend über Generationen von Linken hinweg mit den (biblischen!) Tauben der Friedensbewegung und den Transformative-Justice-Anhängern der antikolonialen und abolitionistischen US-Linken vereinbaren lässt.
Auf welcher Seite ich mich als kolumbianischer, linker Katholik mit Sympathie für Befreiungstheologie befinde, sollte der aufmerksamen Leserin an dieser Stelle recht klar sein.
Die Schwäche linker Bewegungen
Und doch stößt selbst bei linken Utopisten und Träumern wie mir die Bewunderung für „linke“ Päpste und die Vereinbarkeit von linken und katholischen Wertvorstellungen an eine natürliche Grenze: Während Papst Franziskus und nun auch Leo sich bei Äußerungen zu Migration, sozialer Ungleichheit, Frieden, Klima und teils sogar Klasse über meinen Applaus (oder meine Vereinnahmung?) freuen konnten, findet diese Solidarität beim Feminismus, LGBTQ+-Rechten, Abtreibung und Sterbehilfe ihr logisches Ende.
Dass sich ausgerechnet Papst Leo in diesen Wochen also als prominentester Widersacher Trumps profilieren konnte, sagt womöglich mehr über die Schwäche linker Bewegungen und progressiver Machthaber aus, als über die Anpassungsfähigkeit der katholischen Kirche an die Moderne. Sollten Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez also Nachhilfe bei Papst Leo ersuchen, wenn es darum geht, Trump erfolgreich zu „dissen“? Vielleicht. Vielleicht sind sie als Linke aber auch gar nicht in der Lage wie Papst Leo einen zentralen wunden Punkt der MAGA-Bewegung zu treffen.
Der Pontifex hat der Maga-Bewegung noch einmal Nachhilfe in Laizismus erteilt: Dem Kaiser Trump gebührt, was dem Kaiser Trump gebührt. Mehr aber auch nicht.