Bau neuer deutscher Fregatten: Naval Vessels Lürssen bereitet Übernehmen des Großprojekts vor

Das niederländische Unternehmen Damen Naval war mit dem Bau der Großkampfschiffe überfordert. Das Projekt ist bereits um Jahre verzögert. Nun soll Deutschlands führender Hersteller von Überwasser-Marineschiffen die Fregatten F126 fertigstellen. Ein Meilenstein dafür wurde gerade erreicht.

Die Deutsche Marine braucht die sechs neuen Fregatten des Typs F126 in den kommenden Jahren dringend. Doch das niederländische Unternehmen Damen Naval in Vlissingen, Generalunternehmer für den Bau der Großkampfschiffe, war mit der Fertigung überfordert. Speziell auch die Übertragung der komplexen Konstruktionsdaten in die Bauwerften funktionierte nicht.

Nach langen Verhandlungen übernimmt demnächst voraussichtlich Naval Vessels Lürssen (NVL) den Bau der F126, es ist das bislang größte Beschaffungsprojekt der Deutschen Marine mit einem Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro. „NVL arbeitet mit Hochdruck daran, das F126-Projekt in wenigen Wochen als Generalunternehmer zu übernehmen“, teilte NVL am Mittwoch mit. „Die Weichen für einen erfolgreichen Abschluss sind gestellt: Unserem Team ist es gelungen, den Gordischen Knoten zu lösen und die Konstruktionsdaten der niederländischen Damen erfolgreich ins eigene System zu übertragen. Damit haben wir die Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fertigung geschlossen und gemeinsam mit Damen den Weg freigemacht für einen beschleunigten Hochlauf der Produktion in den Werfthallen.“

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Tim Wagner, Geschäftsführer von NVL, sagte: „Das war eine echte Herausforderung und wahrscheinlich der kritischste Meilenstein für eine mögliche Übernahme.“ Parallel dazu seien weitere bereits Arbeiten an dem Projekt F126 realisiert worden, sagte Wagner: „Bereits Mitte Januar konnten wir die Sektionsmontage eines Großblocks bei unserem Kieler Fertigungspartner German Naval Yards starten, weitere Sektionsmontagen sind in der Vorbereitung. Auch die Rohrfertigung wurde am Standort Blohm+Voss bereits hochgefahren.“

Die F126 ist auf die U‑Boot‑Jagd und die dreidimensionale Seekriegsführung – unter Wasser, auf See, in der Luft – spezialisiert. Sie soll die Fregatten F123 der „Brandenburg-Klasse“ bei der Deutschen Marine ablösen. Ursprünglich sollten die F126 von 2028 an bei der Deutschen Marine in Dienst gestellt werden. Nach aktuellem Stand dürfte die Ablieferung nun erst im Jahr 2031 beginnen.

Von April an, teilte NVL mit, „werden auf der Peene-Werft Fortschritte im Stahlschiffbau und dem Setzen von Großgeräten wie dem Getriebe sichtbar sein. Auf Basis des bisherigen Prüfverfahrens und der konstruktiven Zusammenarbeit mit unseren Partnern und dem öffentlichen Auftraggeber gehen wir davon aus, die Projektübernahme in wenigen Wochen erfolgreich abzuschließen.“

NVL-Chef Wagner sagte: „Die geopolitische Lage zeigt einmal mehr: Wir brauchen diese hochmodernen, kampfstarken und vor allem nordatlantiktauglichen Schiffe dringend. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das laufende Prüfverfahren erfolgreich abschließen und das wichtige Beschaffungsvorhaben zum Erfolg führen können.“

Das Baukastensystem mit der Beteiligung mehrerer Werften von NVL und German Naval Yards war von Beginn an Teil des Projektes unter der bisherigen Leitung von Damen Naval. Die bei German Yards in Kiel gefertigten Vorschiffe und auf der Peene Werft in Wolgast gefertigten Hinterschiffe der Fregatten werden bei German Naval Yards per „Hochzeitsstoß“ zusammengeführt. Endausgestattet werden die Fregatten dann bei Blohm+Voss in Hamburg, die Werft gehört ebenfalls zu NVL.

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Naval Vessels Lürssen wiederum mit insgesamt vier Werften an Nordsee, Ostsee und in Hamburg soll im ersten Quartal dieses Jahres von der Bremer Lürssen-Gruppe an Deutschlands größten Rüstungskonzern Rheinmetall verkauft werden. Der Bau von Überwasser-Marineschiffen und von unbemannten Marinefahrzeugen soll nach der Übernahme durch Rheinmetall deutlich ausgebaut und gestärkt werden. U-Boote für Deutschland und für die Marinen anderer Länder fertigt das inzwischen börsennotierte Unternehmen TKMS in Kiel, das mehrheitlich dem Konzern ThyssenKrupp gehört. Zum Portfolio von TKMS zählen auch Überwasser-Marineschiffe. In Deutschland ist TKMS der wichtigste Kooperationspartner für NVL, beide Unternehmen bewerben sich gemeinsam auch um den Auftrag für die kommende Fregattengeneration F127.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten auch über die Marinerüstung.

Source: welt.de

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