Barrel für um die 100 US-DollarTrump: „Steigen die Ölpreise, verdienen wir viel Geld“
12.03.2026, 17:26 Uhr
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Ein Ende des Kriegs im Nahen Osten ist nicht absehbar. Der Ölpreis schwankt auf sehr hohem Niveau. US-Präsident Trump gewinnt dem etwas Positives ab. Die Voraussetzungen sind für die Vereinigten Staaten als größter Ölproduzent in der Tat andere als für Europa.
Die Ölpreise sind nach iranischen Attacken auf den Energiesektor im Persischen Golf wieder gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai stieg zeitweise auf über 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Am Nachmittag wurde ein Fass wieder knapp unter der Marke gehandelt, bei 99,40 Dollar. Das sind fast acht Prozent mehr als am Vortag.
US-Präsident Donald Trump legt den Anstieg indes positiv aus: „Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt. Wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir viel Geld“, teilt er auf seiner Plattform Truth Social mit und drückt aus, dass für ihn im Vergleich zur Energiepreiskrise die viel wichtigere Frage sei, den Iran am Bau von Nuklearwaffen zu hindern.
USA als Ölproduzent
Was das Öl angeht, sind die USA in der Tat der mit Abstand größte Produzent weltweit, laut „Statista“ vor Saudi-Arabien und Russland. Neben Riesenkonzernen operieren in den USA auch eine Menge kleinerer und unabhängiger Ölproduzenten, die angesichts zuvor relativ niedriger Preise jahrelang unter Druck standen. Dem „Houston Chronicle“ sagte ein Branchenanalyst, der Moment biete eine willkommene Auflockerung für die Industrie.
Anders sieht es bei den Verbrauchern aus: Trump hatte im Wahlkampf damit geworben, die Energiepreise im Land deutlich zu senken. Infolge des Kriegs im Iran waren die Benzinpreise in den USA allerdings auf das höchste Niveau seit Sommer 2024 gestiegen. Dem US-Präsidenten könnte also die mit gestiegenen Ölpreisen für Verbraucher verbundene Inflation auf die Füße fallen – auch wenn ein Ölpreisschock sich weniger stark in der Inflation niederschlagen dürfte als noch in früheren Jahrzehnten.
Die USA sind heutzutage laut Experten nämlich insgesamt resilienter gegenüber Ölpreisschocks als etwa noch in den 1970er Jahren. Die Forscherin Amy Myers Jaffe führt im Online-Medium „The Conversation“ zwei Gründe an: Mittlerweile sind die USA bekannterweise kein Öl-Importeur mehr, sondern ein Exporteur. Außerdem sei die Wirtschaft viel weniger „öl-intensiv“ als noch in vorigen Jahrzehnten und „produziert mit weitaus weniger Ölverbrauch einen höheren wirtschaftlichen Wert“.
Schiffe unter Beschuss
Global gesehen sorgt der Iran-Krieg nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA indes für eine beispiellose Störung der Ölversorgung. Der Krieg schaffe die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, schreibt die IEA in einer Zusammenfassung ihres monatlichen Ölmarktberichts.
Immer stärkere Angriffe der iranischen Streitkräfte gegen die Energiewirtschaft wichtiger Förderstaaten am Persischen Golf haben die Preise zuletzt angetrieben. Unter anderem wurden im Oman Treibstofftanks im Hafen von Salala mutmaßlich von iranischen Drohnen getroffen.
Zudem geraten Schiffe im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder unter Beschuss. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der Region seit Kriegsbeginn fast komplett zum Erliegen gebracht.
Jüngste Äußerungen von Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei lassen eine längere faktische Schließung der Straße von Hormus erwarten. Durch die Meerenge wird Rohöl aus dem Persischen Golf vor allem in asiatische Länder geliefert. „Auch muss weiterhin der Hebel der Blockierung der Straße von Hormus genutzt werden“, wird Chamenei in staatlichen Medien des Iran zitiert.
Preisschwankung auf hohem Niveau
Zu Wochenbeginn war der Preis für Rohöl aus der Nordsee wegen der Eskalation des Iran-Kriegs zeitweise auf knapp 120 Dollar gestiegen. Am Dienstag fiel der Preis dann unter anderem wegen Aussagen von US-Präsident Donald Trump über ein baldiges Kriegsende wieder bis auf fast 80 Dollar.
Doch die Erleichterung hielt nicht lange an. Auch die Ankündigung der Freigabe von strategischen Ölreserven verpuffte, und die Ölpreise legten wieder kräftig zu. Die IEA hatte am Mittwoch bekannt gegeben, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben. Ihr Ziel: die durch den Krieg angespannten Märkte zu stabilisieren.
Source: n-tv.de