Banker war vor Ort: Im Schmugglerboot durch die Straße von Hormus

Die Lage in der Straße von Hormus ist zur Schicksalsfrage der Weltwirtschaft geworden. In der Nacht zu Mittwoch läuft ein Ultimatum aus, mit dem US-Präsident Donald Trump die Öffnung der Meerenge erzwingen will. Aber wie es dort wirklich aussieht, weiß kaum jemand.

Was die Welt über die Passage weiß, stammt von Anbietern von Schifffahrtsdaten, Satellitenbildern, einigen Reedern und den involvierten Regierungen. Rund eine Handvoll Schiffe passiert die Meerenge demnach, ein Bruchteil der 130 bis 150 Schiffe in Friedenszeiten.

„Analyst Nummer drei“ war im Schmugglerboot unterwegs

Ein New Yorker Wall-Street-Analyst, der nach eigenen Angaben auf eigene Faust an die Straße von Hormus gereist ist, sorgt deshalb nun nicht nur in den sozialen Medien für Aufsehen. In einer ausführlichen Reportage beschreibt der Banker, der für das Investmenthaus Citrini arbeitet und nur „Analyst Nummer drei“ genannt wird, wie er über Dubai nach Oman eingereist sei, sämtliche Warnungen und Drohungen der Behörden und Geheimdienste ignoriert habe und mit einem Schmuggler und dessen Schnellboot in die Meerenge gefahren sei.

Seinen Angaben zufolge seien deutlich mehr Tanker in der Straße unterwegs. Unter Berufung auf eigene Zählungen und Gespräche mit Einwohnern schreibt der Analyst, es seien schon am 2. und 4. April jeweils mindestens 15 Schiffe gewesen, also dreimal so viele wie von Analysehäusern nahegelegt. Viele der Schiffe seien für die Datenanbieter unsichtbar, mit dem bloßen Auge oder guten Kameras aber zu erkennen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

15 Schiffspassagen am Sonntag

Am Sonntag, dem 6. April, ließen die iranischen Behörden nun laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars 15 Schiffe passieren. Auch Anbieter von Schifffahrtsdaten verzeichneten einen Anstieg auf rund 15 Schiffe. Offen ist, ob sich damit auch die Zahl der nicht erfassten Schiffe erhöht hat.

„Iran will nicht, dass die Straße geschlossen ist“, fasst der Analyst seine Erkenntnisse zusammen. Selbst bei einer weiteren militärischen Eskalation sei es wahrscheinlich, dass künftig mehr Schiffe die Meerenge passierten. Neben Schiffen aus China, Indien, Russland, Irak und Pakistan hätten Schiffe aus Malaysia, Frankreich oder Japan die Straße passiert. Iran soll in den vergangenen Wochen ein Mautsystem für die Meerenge eingerichtet haben. Noch wichtiger seien aber diplomatische Verhandlungen hinter den Kulissen. „Die beste Propaganda für Iran ist eine funktionierende Meerenge, in der es wie ein vernünftiger Hüter des globalen Handels wirkt, während die USA wie eine störende Kraft aussehen“, schreibt der Analyst.

Deutscher Reederverband warnt vor Mautzahlungen

„Mögliche Genehmigungen und Gebühren für Schiffspassagen in der Straße von Hormus sehen wir kritisch“, sagte ein VDR-Sprecher unter Verweis auf internationales Seerecht, das Gebühren nur für künstliche Wasserstraßen erlaubt. Wenn dennoch ein Reeder in Erwägung ziehe, Maut zu zahlen – Berichten zufolge geht es um Beträge von bis zu zwei Millionen Dollar für eine Passage –, dann könne dieses Unternehmen noch längst nicht sicher sein, ob es klappe.

So bleibe unklar, wie Iran den selbst verwendeten Begriff „nicht feindlich“ definiere. Deutschland sei beispielsweise NATO-Mitglied und Standort wichtiger US-Militärlogistik – allein das könne Schiffe deutscher Reeder als feindlich aus iranischer Sicht erscheinen lassen, warnt der VDR.

Dass von rund 2000 Handelsschiffen nur ein paar wenige täglich durch die Meerenge fahren, zeige, dass auch die Unternehmen das Risiko als hoch einstuften, heißt es beim VDR. Aktuell sitzen mindestens noch 50 Schiffe von zehn deutschen Reedereien mit etwa tausend Seeleuten im Persischen Golf fest.

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