BAMF: Regierung streicht nützliche Sprachkurse

Über die Integrationskurse ist in Deutschland ein Streit entbrannt. Am Montag kündigte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an, dass insbesondere Asylsuchende, Geduldete, Menschen aus der Ukraine sowie Bürger der Europäischen Union nicht mehr für die Kurse zugelassen werden – und somit nicht wie bisher freiwillig und kostenlos teilnehmen können. Wer aus dieser Gruppe Deutsch lernen will, muss in Zukunft selbst bezahlen, die Kurse können mehr als 3000 Euro kosten. Sie bestehen aus 700 Unterrichtsstunden: 600 Stunden davon Sprachunterricht, 100 Stunden für einen Orientierungskurs.

Die SPD kündigte Widerstand gegen den Beschluss des von Alexander Dobrindt (CSU) geführten Bundesinnenministeriums an. Ein gern genutztes Argument für Sprachkurse: Sie ermöglichen einen schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Aber was bringen Sprachkurse dafür wirklich?

Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hat diese Frage untersucht. Dafür verglichen die Forscher Geflüchtete, die an Integrationskursen teilnahmen, mit Geflüchteten ohne Kursteilnahme. Das Ergebnis: Wer einen Kurs besuchte, hatte bessere Chancen auf einen Job. Der Unterschied zeigte sich allerdings erst mit der Zeit – nach 18 Monaten lag die Beschäftigungsquote der Kursteilnehmer um 12 Prozentpunkte höher.

An den Kursen gibt es auch Kritik

Forscher der Erasmus-Universität Rotterdam zeigten 2023 am Beispiel Deutschlands zudem, dass dort, wo mehr Sprachkurse angeboten wurden, Geflüchtete signifikant häufiger eine Arbeitsstelle fanden.

Aber Sprache entscheidet nicht nur darüber, ob jemand Arbeit findet – sondern auch darüber, was für eine. Laut einer Studie des arbeitgebernahen In­stituts der deutschen Wirtschaft (IW) verdienen Migranten mit sehr guten Deutschkenntnissen ähnlich viel wie Einheimische mit gleichem Bildungsstand.

Auch das BAMF hat 2025 seine Integrationskurse analysiert. Ein Ergebnis: Wer den Kurs freiwillig besucht, erreicht bessere Ergebnisse als Menschen, die dazu verpflichtet werden. Nun sind es gerade diese Freiwilligen, denen der Zugang gestrichen werden soll.

Allerdings gibt es auch Kritik an den bestehenden Kursen: Viele Teilnehmer erreichen das gesetzte Ziel, das mittlere Sprachniveau B1, nicht. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 bestanden von rund 212.000 Prüfungsteilnehmern nur 83.000 die B1-Prüfung – 48.000 erreichten das niedrigere Niveau A2. Einer Studie des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache zufolge ist das Ziel B1 allerdings schlicht zu hoch angesetzt. A2 sei in der vorgegebenen Stundenanzahl realistischer.

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