Babymilchskandal: Schlechter Start zu Gunsten von den neuen Nestlé-Chef

Schlechter hätte der Start von Philipp Navratil in sein neues Amt als Vorstandsvorsitzender von Nestlé nicht sein können. Nur wenige Monate nachdem der Schweizer die Führung des größten Lebensmittelherstellers der Welt übernommen hat, erschüttert der Skandal um kontaminierte Babymilch den Konzern. Dass ein chinesischer Produktionspartner eine verunreinigte und somit toxische Zutat geliefert hatte, die für Säuglinge gefährlich sein kann, betrifft zwar auch einige andere Hersteller wie Danone und Lactalis. Aber das ist für Nestlé kein Trost.

Als Weltmarktführer im Verkauf von Babynahrung steht für den Konzern besonders viel auf dem Spiel – zumal er gerade in diesem Geschäft schon einmal am Pranger stand: Vor gut 50 Jahren sah sich Nestlé dem Vorwurf ausgesetzt, Mütter in Entwicklungsländern durch aggressive Werbung dazu zu animieren, Milchpulver statt der nachweislich gesünderen Muttermilch zu verwenden.

Säuglingsnahrung ist ein besonders heikles Feld, wie auch ein Fall aus dem Jahr 2008 zeigt. Damals mischte ein chinesischer Hersteller seinen Milchprodukten die Industriechemikalie Melamin bei, um den Proteingehalt künstlich zu erhöhen. Dadurch erkrankten fast 300.000 Babys, sechs starben. In der Folge griffen viele Eltern zu (teureren) Markenprodukten aus dem Westen.

Doch dieses Vertrauen ist durch den jüngsten Skandal schwer beschädigt worden. Der Imageschaden könnte auf andere Geschäftsfelder ausstrahlen. Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Einkaufsstrategie des Konzerns. Wenn man den Einkauf aus Kostengründen zentralisiert und auf möglichst wenige Zulieferer konzen­triert, potenzieren sich die Risiken, wenn in einem Glied der Lieferkette geschludert wird. Umso wichtiger ist eine gut funktionierende Qualitätskontrolle. Doch diese hat sowohl bei dem chinesischen Lieferanten als auch im Hause Nestlé versagt.

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