Wenn die Deutschen ihre Schulen benennen, stehen Wissenschaft und Fortschritt nicht an erster Stelle. Selbst wenn man alle Wissenschaftler zusammenrechnet, von der Kernphysik bis zur Philosophie, werden sie von Schriftstellern weit abgehängt. Dabei hat es mutmaßlich Einfluss auf die Kinder, nach wem ihre Schule benannt ist. Täglich sehen sie, wen die Gesellschaft für vorbildlich hält. Die Wissenschaft spielt da keine große Rolle.
Die F.A.S. hat Daten der Open Knowledge Foundation ausgewertet, die eine Liste aller rund 40.000 deutschen Schulen unterhält. Künstliche Intelligenz übernahm dabei die Fleißarbeit festzustellen, dass die „Staatliche Grundschule ‚Geschwister Scholl‘“ und die „Sophie-Scholl-Realschule“ zusammengehören, nicht aber die „Inge-Aicher-Scholl-Realschule“. Zwei verschiedene KI-Modelle haben die Daten ausgewertet; wo sie sich nicht einig waren, entschied der Mensch. Die Fehlerquote der KI war aber klein. Meist werden übrigens die Geschwister Scholl gemeinsam genannt, wenn aber nur einer genannt wird, dann fast immer Sophie.
Deutlich wird: Die allermeisten Schulen sind nach ihrem Stadtteil oder ihrer Straße benannt. Wenn eine Schule einen Namen hat, liegen religiöse Figuren vorne. Das hat damit zu tun, dass in Deutschland viele Schulen einen kirchlichen Träger haben, unter anderem den Sozialverband Kolping, der viele berufsbildende Schulen betreibt. Wenn Schulen nach Unternehmern benannt sind, dann in den meisten Fällen nach ihren Gründern. Ganz vorne liegt der Pädagoge Johann Pestalozzi.
Es fällt auch auf, dass Deutschlands Schulen Schriftsteller mögen. Astrid Lindgren und Erich Kästner sind vor allem für Grundschulen beliebt, Schiller liegt knapp vor Goethe. Selbst der beliebteste Techniker, Johannes Gutenberg, zeichnete sich aus durch: die Verbesserung des Buchdrucks.