Ausschüttungen: Mehr Steuern hinaus die Dividende

Auf Dividenden sind Steuern zu zahlen. Eigentlich. Denn es gibt einige Unternehmen, die locken mit steuerfreien Auszahlungen. Das prominenteste ist wohl die Deutsche Telekom. Aber auch DHL, Freenet, Vonovia, Ströer und LEG Immobilien haben schon steuerfrei ausgeschüttet und machen das immer wieder einmal. Mehr als 20 große Unternehmen praktizieren das, Millionen Aktionäre haben schon davon profitiert.

Für die Anleger ist das attraktiv, ersparen sie sich doch damit rund ein Viertel an Steuern. Doch zuletzt mussten einige überrascht feststellen, dass die Steuerfreiheit nicht ewig währt. Manch einer bekam jetzt plötzlich Steuern abgezogen. Das könnte einigen Telekom-Aktionären jetzt blühen, wenn das Unternehmen nach der Hauptversammlung seine Dividende ausschüttet.

Ausschüttung von Einlagen, nicht von Gewinn

Um das zu verstehen, muss man sich kurz ansehen, warum die Dividende überhaupt bisher steuerfrei war. Die Ausschüttung erfolgt bei diesen Unternehmen nicht aus dem Gewinn wie sonst üblich, sondern von einem Einlagenkonto. Auf ihm liegt Kapital, das die Aktionäre irgendwann einmal der Firma von außen zugeführt haben, zum Beispiel über einen Börsengang. „Das heißt, die Dividende ist eine Rückzahlung von Eigenkapital der Gesellschafter. Es wäre ungerecht, Anlegern die Rückgabe ihres eigenen Geldes als Einkommen zu versteuern“, erklärt Ortay Gelen vom Vermögensberater Axia Asset Management.

Stattdessen mindert die depotführende Bank die steuerlichen Anschaffungskosten der Aktie um den Ausschüttungsbetrag. Die Versteuerung wird somit in die Zukunft verschoben: Verkauft der Aktionär die Aktie später, fällt aufgrund der niedrigeren Anschaffungskosten ein höherer Veräußerungsgewinn an, der der Abgeltungsteuer unterliegt.  Die Steuern werden also nur für ein paar Jahre gestundet, aber nicht erlassen.

Wer die Aktien lange hält, wird irgendwann steuerpflichtig

Durch diesen Rechenmechanismus kann es vorkommen, dass irgendwann die Anschaffungskosten rechnerisch auf null Euro sinken – zum Beispiel, wenn ein Aktionär die Aktie vor Jahren sehr günstig gekauft hat oder sie sehr lange hält. Übersteigt die Summe der erhaltenen steuerfreien Dividenden den ursprünglichen Kaufpreis, sinken die Anschaffungskosten auf null Euro. Genau das kann jetzt Telekom-Aktionären drohen. Die steuerliche Folge: „Jede weitere Zahlung wird mit Abgeltungsteuer belegt“, sagt Roland Schmack, Geschäftsführer des Vermögensverwalters „Meine Werte“. Ändern können die Aktionäre daran nichts.

Auch Dividendenfonds, die solche Unternehmen im Portfolio haben, sind betroffen. Und ausländische Unternehmen, die steuerfreie Dividenden ausschütten, etwa in der Schweiz, oder US-Immobilienkonzerne (Reits). Das ist allerdings sehr kompliziert. Die deutschen Finanzbehörden verlangen, dass der ausländische Konzern nachweist, dass seine Ausschüttung die strengen deutschen Kriterien erfüllt. Deutsche Banken behalten auf ausländische Kapitalrückzahlungen in der Regel erst einmal die deutsche Abgeltungsteuer ein. Der Anleger müsste sich diese dann mühsam und mit enormem Nachweisaufwand zurückholen. In der Praxis ist das für Privatanleger fast unmöglich.

Source: faz.net