Auktionen in Zürich: Für jedes die Brueghels ist jede Jahreszeit schön

Während bei uns der Frühling anbricht, zeigt sich bei Pieter Brueghel dem Jüngeren ein Bilderbuchherbst in seinen satten, erdigen Farben. Unter einem wolkenverhangenen Himmel tummeln sich geschäftige Dorfbewohner. Da wird das Korn gebündelt und Wein gelesen, Trauben werden gestampft, Holzfäller sind am Werk. Im Vordergrund der „Allegorie des Herbstes“ wird ein Schwein zerteilt. Zwei Kindern schauen zu und haben den Magen als Luftballon zum Spiel ergattert.

Aus einem Familienunternehmen

Im Jahr 1622 fertigte Brueghel das Gemälde, das am 27. März bei Koller in Zürich versteigert wird, vermutlich als Teil einer Jahreszeitenserie. Aufgrund des frühen Todes seines Vaters lernte der Sohn Pieter Brueghels des Älteren sein Handwerk zunächst von seiner Mutter, Mayken de Coecke, und später bei Gillis van Coninxloo in Antwerpen, wo er im Alter von 20 Jahren Mitglied der Lukasgilde wurde und ein eigenes Atelier hatte.

Die künstlerische Verbreitung des väterlichen Erbes war eines der Hauptanliegen des jüngeren Pieter Brueghel, denn von 1600 an hatte sich eine enorme Nachfrage nach der vom Vater begründeten Brueghel-Malerei entwickelt. So besteht das Œuvre des Sohnes hauptsächlich aus Gemälden, die auf den teilweise erhaltenen und teilweise verschollenen Arbeiten des Vaters beruhen. Anders die „Allegorie des Herbstes“, als deren Vorlage ein „Herbst“-Kupferstich von Hans Bol diente. Pieter Brueghel der Ältere hinterließ nur Zeichnungen für den „Frühling“ und „Sommer“, wohl wegen seines frühen Todes.

Soll zusammen mit seinem Gegenstück auf 180.000 bis 250.000 Franken kommen: Luca Forte, „Stillleben mit Früchten auf Felsvorsprung vor einer Landschaft“, Öl auf Leinwand, 97,5 mal 134,6 ZentimeterKoller

Mehr als 90 Jahre befand sich das Ölbild in Schweizer Privatbesitz. Nun ist es, mit einer Taxe von 300.000 bis 500.000 Franken versehen, eines der Toplose bei Kollers Auktion Alter Meister, die insgesamt 88 Positionen im Angebot führt. Überdimensional und überladen erscheinen die beiden Stillleben-Gegenstücke, die ursprünglich dem Großneffen von Pieter Brueghel dem Jüngeren, nämlich Abraham Brueghel, Enkel des Blumen-Brueghel Jan des Älteren, zugeschrieben waren. Mittlerweile ist der neapolitanische Maler Luca Forte als Urheber belegt. Auf beiden Stillleben ist Obst aus warmen Regionen – Wassermelonen, Trauben, Feigen und Granatäpfel – kunstvoll auf Felsvorsprüngen vor einer Landschaft arrangiert (Taxe 180.000 bis 250.000 Franken).

Von François Boucher gelangt die erst kürzlich wiederentdeckte Grisaille „Hochzeit von Ariadne und Bacchus“ zum Aufruf, deren Provenienz sich bis in die Entstehungszeit zurückverfolgen lässt. Auf 80 mal 41 Zentimetern versammelt sich die mythische Hochzeitsgesellschaft aus den Vermählten nebst Satyr, Mänaden, Putti und Leoparden zwischen griechischen Tempeln. Seit fast 250 Jahren ist das Werk nicht mehr auf dem Auktionsmarkt erschienen (200.000/300.000).

In Kollers 40 Lose zählender Auktion von Gemälden des 19. Jahrhunderts, die gleichfalls am 27. März abgehalten wird, überzeugt besonders Johann Heinrich Füsslis Darstellung der Entdeckung des Grabs von Christian Rosenkreuz. Inspiriert vom Essay des englischen Schriftstellers Eustace Budgell, der die Legende des Begründers des Rosenkreuztums niederschrieb, hielt Füssli den Augenblick fest, als sich ein Abenteurer auf der Suche nach den esoterischen und okkulten Schriften Rosenkreuz‘ Zutritt zu seiner Gruft verschaffte. Beim Betreten des Grabes soll der Eindringling einem Grabwächter in Rüstung begegnet sein, der eine brennende Lampe zerschlägt. Das Gemälde war von 1973 an Teil der Sammlung Thyssen-Bornemisza und wurde in der Villa Favorita in Castagnola ausgestellt. Bis zum Umzug der Sammlung nach Madrid im Jahre 1993 verblieb das Gemälde dort, bevor es in Schweizer Privatbesitz kam. Nun soll es 150.000 bis 250.000 Franken erlösen.

Source: faz.net