Auktion welcher Sammlung Bülow: Darauf kann die Kunst konstruieren

Wer sein Lebenswerk in Beton gießt wie der Stuttgarter Bauunternehmer Horst Bülow, hinterlässt bleibende Spuren im öffentlichen Raum: das Bülow Carré, den Bülowbogen und Bülow Tower in der baden-württembergischen Hauptstadt etwa oder, die drei Großimmobilien dort weit überragend, den Porsche Design Tower; das Hotel Bülow Palais & Residenz in Dresden, zwei Bürogebäude namens Artemis in München, Bauten in Belgien, Frankreich und im Irak.

Mehr als sechzig Jahre leitete der 1940 im Rheinland geborene Unternehmer, der sich dreiundzwanzigjährig nach einer kaufmännischen und technischen Ausbildung selbständig machte, die von ihm gegründete Bülow AG mit Sitz in Stuttgart. In den eigenen vier Wänden umgab der Firmenpatriarch sich mit Kunst, vor allem mit abstrakten Werken der Nachkriegsmoderne, also seiner Zeitgenossen. Nach dem Tod des Unternehmers im April dieses Jahres kommt nun die Sammlung, die er mit seiner 2021 verstorbenen Frau Monika Bülow zusammengetragen hat, bei Nagel in Stuttgart zur Auktion.

Liebe zur Kunst: Monika und Horst BülowNagel Auktionen Stuttgart

Der Kollektion des Ehepaars ist es zu verdanken, dass das Auktionshaus zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine abendliche Versteigerung unter dem Titel „Post War & Modern“ ausrichtet. An der Spitze des Angebots steht eine aufgeschlitzte Leinwand in Rot von Lucio Fontana aus dem Jahr 1962/63: Das rund dreißig Zentimeter hohe „Concetto spaziale, Attesa“ wurde 1983 von den Bülows erworben und soll 300.000 bis 500.000 Euro einbringen. Raum und Fläche verhandelt auch Günther Ueckers „Feld“. Auf der 60 mal 40 Zentimeter breiten Holzplatte neigen sich die Nägel wie Weizenhalme im Wind. Das 1999 entstandene Werk ist auf 80.000 bis 120.000 Euro taxiert, ebenso Serge Poliakoffs „Composition abstraite rouge et vert“ von 1962.

Das teuerste Los: Lucio Fontana, „Concetto spaziale, Attesa“, 1962/63, 33 mal 22 Zentimeter, Taxe 300.000 bis 500.000 EuroNagel Auktionen Stuttgart / VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Aus den Jahren der jungen Bundesrepublik ist Ernst Wilhelm Nay mit farbenfrohen „Sternblattranken“ von 1951 vertreten (Taxe 90.000 bis 130.000 Euro), und der gebürtige Stuttgarter Willi Baumeister mit einem vage figurativen „Auszug der Giganten“ von 1947 (35.000/45.000). Die Pop-Art ist mit Andy Warhols dank Diaman­tenstaub glitzernder Farbserigraphie ­ „Shoes“ aus dem Jahr 1980 vertreten (50.000/70.000).

In Zuschnitt und Schwerpunktsetzung ist die Sammlung, die rund 53 Kunstauktionslose zum Angebot von Nagel beisteuert (neben 250 Positionen Schmuck und 1800 Flaschen Wein), repräsentativ für den Kunstgeschmack einer Unternehmergeneration, der etwa auch Edzard Reuter und seine Frau Helga angehörten. Einen kleinen Teil von deren nachgelassener Privatkollektion – den größeren und wertvolleren versteigerte Christie’s in Paris – konnte Nagel 2024 zum Verkauf nach Stuttgart holen, ebenso wie Luxusobjekte aus dem Besitz der verstorbenen Kaufhauserbin Heidi Horten. Eine „lokale Note bei gleichzeitig internationaler Strahlkraft“ wünscht sich das schwäbische Auktionshaus unter seinem geschäftsführenden Gesellschafter Fabio Straub – für die Abendauktion und darüber hinaus. Bleibende Werte soll die Bülow-Versteigerung auch dadurch schaffen, dass der Erlös der Naturschutzstiftung des Paares zugutekommt.

Source: faz.net