In der deutschen Industrie zeichnet sich zunehmend eine Erholung ab. Im Dezember stieg der Auftragseingang um 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat, nach einem starken Einstieg der Bestellungen schon im November. „Das sieht jetzt wirklich stark nach einer Trendwende aus“, erklärte Jens-Oliver Niklasch von der LBBW.
Wie zuvor war das Plus durch viele Großaufträge bestimmt, die üblicherweise erst auf Sicht von mehreren Monaten für eine erhöhte Produktion sorgen. Aber auch ohne diese Großaufträge legten die Aufträge am Jahresende deutlich zu und scheinen die Stagnation der vergangenen Jahre zu durchbrechen. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsdurchschnitt stieg der Index ohne Großaufträge gerechnet um 2,5 Prozent. „Damit könnte die Talsohle für die Industrie nun endlich durchschritten sein“, kommentierte Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research.
Die Großaufträge im Dezember trafen nicht nur wie zuvor den sonstigen Fahrzeugbau – darunter Militärfahrzeuge – und Flugzeuge, sondern gingen darüber hinaus. Das deutet darauf hin, dass die Aufträge nicht nur vom Staat kommen, sondern auch breitere Geschäftsbereiche erfassen. Für eine Erholung spricht zugleich, dass die Aufträge aus dem Inland mit einem Plus von 10,7 Prozent stärker zulegten als die Aufträge aus dem Ausland.
Mahnungen vor zu viel Euphorie
Die Statistiker berichteten für Dezember von einem deutlichen Anstieg der Aufträge in der Herstellung von Metallerzeugnissen um 30,2 Prozent zum Vormonat und im gewichtigen Maschinenbau von einem Plus von 11,5 Prozent. Hersteller von elektrischer Ausrüstung erhielten 9,8 Prozent mehr Aufträge, Hersteller von Datenverarbeitungs- und anderen Geräten 5,7 Prozent. In der Automobilindustrie gingen die Aufträge dagegen um 6,3 Prozent zurück.
Manche Ökonomen mahnen vor zu viel Euphorie angesichts der besseren Auftragsentwicklung. Dem Auftragsplus steht entgegen, dass in der jüngsten Geschäftsklimaumfrage des Ifo-Instituts in München aus dem Januar noch gut ein Drittel der Unternehmen über zu wenig Aufträge klagten. Das Geschäftsklima insgesamt war rund um die Jahreswende gesunken und stagnierte im Januar. „Noch signalisieren die Frühindikatoren keine klare Erholung, die wegen des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik ohnehin moderat ausfallen dürfte“, mahnte deshalb der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.
Konjunkturforscher und auch die Bundesregierung erwarten mehrheitlich für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von etwa ein Prozent, nach dem Miniwachstum von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr. Vermutet wird, dass die staatlichen Mehrausgaben für Verteidigung und für Infrastruktur das Wachstum in diesem Jahr tragen werden. Deshalb sind Signale wie der jetzige Auftragseingang wichtig, wenn sie anzeigen, dass die Erholung sich auch über die Staatsaufträge hinaus ausweitet. Mehraufträge in der Bauwirtschaft sind in den jetzt veröffentlichten Zahlen nicht enthalten.