Die jemenitische Militärkoalition hat Luftangriffe auf Separatisten im Süden des Landes geflogen. Das teilte Turki al-Maliki, Sprecher der Koalition, über den Kurznachrichtendienst X mit. Auslöser ist demnach das Verhalten des Separatistenführers Aidarus al-Subaidi, der dem Südlichen Übergangsrat (STC) vorsteht.
Im Jemen tobt seit 2014 ein Bürgerkrieg, der seit einer militärischen Offensive des STC im Dezember wieder aufflammt. Das jemenitische Regierungsbündnis besteht aus rivalisierenden Gruppen, die im Land um Macht ringen und von verschiedenen Großmächten gestützt werden.
Den Angaben nach soll Al-Subaidi eine
größere Streitmacht mit gepanzerten Fahrzeugen sowie Waffen mobilisiert haben. Daraufhin habe die Militärkoalition am frühen Morgen
„präventive Luftschläge“ geflogen um „eine Eskalation zu
verhindern“. Der Angriff, der 15 Luftschläge umfasst haben soll, erfolgte in Dhale, der Heimatprovinz Al-Subaidis im Süden des Jemen. Wie der SCT mitteilt, hätten die Luftangriffe auch Zivilisten getötet. Eine offizielle Opferzahl lag zunächst nicht vor.
Separatistenführer Al-Subaidi untergetaucht?
Seit der angeblichen Mobilisierung wirft die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition Al-Subaidi Hochverrat vor. Er habe „das gerechte
Anliegen“ des Südjemen missbraucht und instrumentalisiert, „um schwere
Verbrechen gegen Zivilisten in den südlichen Gouvernements zu begehen“, teilte das Regierungsbündnis mit. Die Separatistenmiliz vom STC wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VEA) unterstützt.
Nach Angaben des Sprechers der Militärkoalition ist Al-Subaidi „an
einen unbekannten Ort“ geflohen. Zuvor soll der STC-Führer Waffen
und
Munition an „Elemente“ in der Stadt Aden übergeben haben. In Aden sitzt
die
international anerkannte Regierung des Jemen. Der STC teilte später mit,
Al-Subaidi befinde sich nach wie
vor in Aden, wo er „seinen Pflichten weiterhin nachkommt“.
Bürgerkrieg tobt im Süden des Jemen
Am Dienstag hätte Al-Subaidi zu Gesprächen nach Saudi-Arabien reisen sollen, trat die Reise nach jemenitischen
Angaben jedoch nicht an. Einem STC-Vertreter zufolge entschied er sich
gegen die Reise, nachdem er erfahren hatte, dass er in Riad zur
Auflösung des STC aufgerufen werden sollte. Die STC-Delegation reiste ohne ihren Anführer nach Riad.
STC-Kämpfer hatten im Dezember die ölreiche Provinz Hadramaut unter ihre
Kontrolle gebracht, die an das südliche Saudi-Arabien grenzt. Die Militärkoalition hatte vergangene Woche eine Offensive gestartet, um die Provinz
zurückzuerobern. Dabei hatte sie einen Großteil der Gebiete im Osten des Landes erneut unter die Kontrolle gebracht.
Saudi-Arabien und VAE ringen um Einfluss
Traditionell sind Saudi-Arabien und die Emirate
enge Verbündete. Im Jemen hatten sie sich zusammengeschlossen, um die Huthi-Miliz zu bekämpfen, die vom Iran gefördert wird. Nach der militärischen Offensive des STC im Dezember waren die Länder miteinander in Konflikt geraten. Saudi-Arabien wirft
den Emiraten vor, den STC zu der Dezember-Offensive an der Südgrenze
Saudi-Arabiens gedrängt zu haben. Die Emirate weisen das zurück.
Der von den VAE unterstützte STC gehört formal der international anerkannten Regierung im Jemen an. Er streitet aber seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat im Südjemen, wie er von 1967 bis 1990 bestand.