Auf 119 Milliarden Euro: Das deutsche Staatsdefizit ist 2025 doch gestiegen

Das deutsche Staatsdefizit ist im vergangenen Jahr entgegen einer früheren Schätzung doch größer geworden. Die Ausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung überstiegen die Einnahmen um 119,1 Milliarden Euro, ⁠wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Eine erste Schätzung von Mitte Januar hatte noch 107 Milliarden Euro ergeben. Im Jahre 2024 lag das Finanzierungsdefizit bei 115,3 Milliarden Euro. Die Summe entspricht abermals einem Defizit von ‌2,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt sieht eine Obergrenze von 3 Prozent vor, die von Ländern wie Frankreich seit Jahren gerissen wird.

Mit 79,6 Milliarden Euro entfielen rund zwei Drittel des Fehlbetrags ‌auf den Bund. Dessen Minus ‌stieg im Vergleich zum Jahr 2024 um 18,6 Milliarden Euro. Im Falle der Gemeinden gab es einen Defizitzuwachs von 7,1 Milliarden Euro auf 28,1 Milliarden Euro.

Dagegen konnten die Länder ihr Minus auf 9,8 Milliarden Euro mehr als halbieren (2024: -21,6 Milliarden Euro). Die Sozialversicherung wies ebenfalls einen Rückgang auf ⁠nun 1,7 Milliarden Euro auf (2024: -11,8 Milliarden Euro).

Steuereinnahmen sind gewachsen

Die Einnahmen des Staates summierten sich im vergangenen Jahr auf 2140,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 5,7 Prozent. „Verantwortlich hierfür war insbesondere der Anstieg der Sozialbeiträge“, hieß es. Diese legten um 8,9 Prozent zu. Die Steuereinnahmen ⁠wuchsen um ‌3,5 Prozent auf 1031,5 Milliarden Euro.

Die Ausgaben des Staates erhöhten sich um 5,6 Prozent oder 119,6 Milliarden Euro auf 2259,3 Milliarden Euro, die damit stärker zulegten als die Einnahmen. Die Zinsausgaben lagen um 8,1 Prozent höher. Die ⁠monetären Sozialleistungen stiegen ⁠um 5,6 Prozent. „Dies resultierte in erster Linie aus höheren Ausgaben für Renten und Pensionen, auch wurde mehr für ⁠das Pflegegeld und für das ⁠Arbeitslosengeld ausgegeben“, so das Statistikamt.

Für dieses Jahr ​rechnen die meisten Fachleute mit einer steigenden Neuverschuldung in Deutschland. Das ‌Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) etwa sagt ein Defizit von 3,5 Prozent voraus, das 2027 sogar auf 4,0 Prozent ​steigen soll. „Investitionen und Vorleistungskäufe erhalten erstmals spürbare Impulse aus ​dem neuen Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie erneut aus steigenden Verteidigungsausgaben“, erklärte das IfW.

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