Zum vierten Mal innerhalb eines Monats kommt es zu einem Brandanschlag auf eine britische Synagoge. Die Einheit für Terrorismusbekämpfung übernimmt die Ermittlungen. Geprüft werde ein möglicher Bezug zum Iran.
Nur wenige Tage nach einem ähnlichen Vorfall ermittelt die Polizei in London erneut wegen eines Brandanschlags auf eine Synagoge. In der Nacht zum Sonntag hätten Streifenpolizisten Schäden an einem Fenster der Kenton United Synagogue im Nordwesten der Stadt entdeckt, teilte ein Sprecher mit. „Bei näherem Hinsehen erkannten sie Rauch in einem Raum und Hinweise darauf, dass eine Flasche mit einer Art Brandbeschleuniger durch das Fenster geworfen worden war.“
Feuerwehrleute hätten anschließend das Gebäude durchsucht, um sicherzustellen, dass keine weitere Brandgefahr bestand. Auch Spurensicherungsexperten, Brandspürhunde und Polizisten in Zivil waren vor Ort, wie die „Daily Mail“ berichtet. Verletzte gab es nicht. Es habe auch keine nennenswerten strukturellen Schäden am Gebäude gegeben.
Zudem wurde ein Bereich um die israelische Botschaft in London abgesperrt. Zuvor hatte es im Internet Berichte gegeben, wonach das Gebäude mit Drohnen angegriffen worden sei, die gefährliche Substanzen transportierten. Die Polizei gab später jedoch Entwarnung und erklärte, die gefundenen Gegenstände enthielten keine schädlichen Stoffe. Der örtliche Polizeichef Luke Williams betonte, man nehme die Sorgen der Bevölkerung und insbesondere der jüdischen Gemeinden ernst.
Die Einheit für Terrorismusbekämpfung leite die Ermittlungen mit Unterstützung von Polizeibeamten vor Ort, hieß es. So untersuche die Polizei, ob die Brandanschläge von iranischen Stellvertretern verübt worden seien. Die stellvertretende Polizeipräsidentin Vicki Evans sagte: „Ich habe bereits über den Einsatz krimineller Proxies durch das iranische Regime gesprochen, und wir prüfen, ob diese Taktik auch hier in London angewendet wird.“
Auf Telegram bekannte sich die pro-iranische Gruppe Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija zum Anschlag. In einem dort geposteten Video ist ein Mann zu sehen, der einen mutmaßlichen Molotow-Cocktail auf den Tatort wirft. Die Gruppe erklärte zudem, für eine Reihe von Anschlägen auf US-, israelische und jüdische Ziele in ganz Europa verantwortlich zu sein.
Krankenwagen bei Brandanschlag zerstört
Es ist bereits der vierte Angriff oder versuchte Angriff dieser Art auf eine jüdische Einrichtung in London innerhalb von nicht einmal einem Monat. Vor wenigen Wochen waren vier Krankenwagen der jüdischen Gemeinde in Golders Green bei einem Brandanschlag zerstört worden. Mehrere Verdächtige wurden angeklagt.
In der Nacht zum Mittwoch sollen zwei Verdächtige unter anderem Molotow-Cocktails auf eine Synagoge im Stadtteil Finchley geworfen haben. Die Brandsätze entzündeten sich aber nicht. Die Polizei nahm einen Mann und eine Frau fest. Am Freitag kam es an einem früher von der jüdischen Gemeinde genutzten Gebäude im Stadtteil Hendon zu einem versuchten Brandanschlag.
Antisemitische Hassverbrechen: Polizei erhöht Präsenz
Die Polizei stufte die Taten als antisemitische Hassverbrechen ein und kündigte nach den jüngsten Vorfällen an, ihre Präsenz im Nordwesten Londons zu verstärken. „Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst und unterschätzen die Auswirkungen solcher Vorfälle, insbesondere auf unsere jüdischen Gemeinden, nicht“, sagte der leitende Ermittler Luke Williams einer Mitteilung zufolge.
Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich bei X entsetzt über die Taten. „Das ist abscheulich und wird nicht toleriert werden. Angriffe auf die jüdische Community sind Angriffe auf Großbritannien“, schrieb er. „Wir verstärken den sichtbaren Polizeieinsatz, und die Verantwortlichen werden gefunden und zur Rechenschaft gezogen. Wir werden nicht ruhen, bis die Täter verfolgt sind.“
Londons Bürgermeister Sadiq Khan schrieb in einem Post: „Ich bleibe in regelmäßigem Kontakt mit der Metropolitan Police, die nach einer Reihe von Brandanschlägen in Nordwest-London die Ressourcen verstärkt hat. Es wird eine deutlich erhöhte Polizeipräsenz im Gebiet geben, einschließlich rund um jüdische Gotteshäuser und Geschäfte.“
„Es gibt keinen Raum für Antisemitismus in unserer Stadt, und die Täter dieser verabscheuungswürdigen Angriffe werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“, ergänzte Khan. „London wird immer geeint gegen jene stehen, die uns spalten wollen.“
Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis sprach auf X von einer „Kampagne der Gewalt und Einschüchterung“ gegenüber Juden, die sich beschleunige. „Dieser anhaltende Angriff auf die Fähigkeit unserer Gemeinschaft, sicher zu beten und zu leben, ist ein Angriff auf die Werte, die uns alle zusammenhalten.“ Zum Glück seien keine Leben zu Schaden gekommen. Doch dürfe nicht gewartet werden, bis das Verständnis entstehe, „wie gefährlich dies für die gesamte Gesellschaft ist“.
doli mit AP/dpa/AFP/Reuters
Source: welt.de