Attacken im Nahen Osten: Was Reisende nun einplanen sollen

Die Warnung ist eindringlich: „Unbedingt im Hotel bleiben – nicht zum Flughafen fahren.“ Das schreibt der Reiseanbieter Dertour im Internet an seine Kunden, die sich aktuell im Urlaub in den Arabischen Emiraten befinden. Der militärische Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel wirkt sich auch dort aus – über iranische Gegenschläge, die vornehmlich US-Stützpunkten in der Region gelten.

Am bekannten Burj-al-Arab-Hotel, der Luxus-Herberge am Strand von Dubai in Form eines 320 Meter hohen Segels, kam es zu einem Feuer. Behörden teilten mit, nach dem Einsatz der Raketenabwehr seien dort Trümmerteile niedergegangen. Am Hotel wurde niemand verletzt, an anderen Stellen im Stadtgebiet doch. Auch am Fairmont-Hotel auf der künstlich ausgeschütteten Dubaier Insel in Palmenform hatte es Medienberichten zufolge gebrannt.

Zwei Tage vor dem Beginn der Reisemesse ITB, auf der die Branche ein weiteres Wachstumsjahr im Urlaubsgeschäft einläuten wollte, beschäftigen nun Alarmmeldungen die Reiseanbieter und Fluggesellschaften. Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für 13 Länder und somit die gesamte Region von Israel über die Emirate bis zum Oman ausgesprochen. Dort ist das Winterhalbjahr Urlauberhochsaison, da es im Sommer sehr heiß ist. Nun ist wegen Angriffen und Luftraumsperrungen der Flugverkehr unterbrochen.

Schifffahrten „derzeit nicht verantwortbar“

Die Folgen des eskalierenden Konflikts auf den in den Emiraten bedeutenden Tourismus haben die Branche jäh getroffen. Am Samstag waren noch neue Passagiere auf dem Weg, um mit dem TUI-Kreuzfahrer „Mein Schiff 5“ von Doha, der Hauptstadt Qatars, in See zu stechen. Flüge, die unterwegs waren, kehrten um.

Vor Ort erhielten Reisende eine Notfallmeldung aufs Handy. An Bord gilt nach einem Bericht des Portals „Schiffe und Kreuzfahrten“ nun, dass Außendecks nicht betreten werden dürfen. Eine planmäßige Durchführung von Fahrten sei „derzeit nicht verantwortbar“, teilte TUI mit.

Die Golfregion mit den Arabischen Emiraten gilt als Expansionsgebiet im Tourismus. 2025 zählte Dubai knapp 20 Millionen Übernachtungsgäste. Im Dezember wurde nach Zahlen des dortigen Wirtschafts- und Tourismusministeriums mit zwei Millionen Besuchern ein Monatsrekord aufgestellt. Aus Deutschland kamen 2025 rund 660.000 Gäste. Nun warnt das Auswärtige Amt, dass mit weiteren Abgriffen gerechnet werden müsse.

Rauchwolken über DubaiReuters

Für die Dauer der Warnung dürfen Urlauber kostenfrei stornieren, die Fluganreise ist wegen Luftraumsperrungen ohnehin kaum möglich. Reiseveranstalter sagten beginnende Urlaube ab, Dertour zunächst bis Dienstag, Schauinsland-Reisen bis Mittwoch.

TUI stoppte Emirate-Anreisen bis Freitag, alle in den nächsten Tagen von den Krisenfolgen betroffenen Kunden werde man „aktiv benachrichtigen“. Der Studienreiseanbieter Studiosus sagte Reisen, die bis zum nächsten Sonntag beginnen sollten, ab.

Weitere Absagen schlossen alle Anbieter nicht aus. Da unklar ist, wie lange mit Angriffen zu rechnen ist, kündigten sie an, ihre Meldungen zu aktualisieren.

Emirates und Qatar Airways stoppen Betrieb an ihren Drehkreuzen

Die Fluggesellschaften Emirates und Qatar Airways informierten am Sonntag, dass der Betrieb an ihren Drehkreuzen in Dubai und Doha eingestellt sei. Emirates erklärte, dass nicht vor Montag 15 Uhr Ortszeit wieder mit Flügen zu rechnen sei. Nach Behördenangaben sei eine Halle des Flughafens von Dubai bei einem Zwischenfall geringfügig beschädigt worden.

Die Deutsche Lufthansa erklärte, mindestens bis zum kommenden Wochenende nicht den Luftraum über Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Qatar und Iran zu nutzen. Ziele in diesen Ländern werden somit nicht angesteuert, auch die Emirate würden frühestens von Donnerstag ab wieder bedient.

Dadurch sind aktuell auch keine Rückreisen möglich. Das Auswärtige Amt riet Betroffenen, Reiseveranstalter oder Airlines zu kontaktieren und sich in der Elefand-Krisenvorsorgeliste des Amtes zu registrieren. Dertour erklärte, längere Aufenthalte würden von Krisenteams organisiert, bis Rückflüge wieder möglich seien.

Doch nicht nur die Urlauber vor Ort stellen die Anbieter vor Herausforderungen. Sie müssen sich auch um Fernreisekunden kümmern, die auf dem Weg von und nach Asien in Dubai, Abu Dhabi oder Qatar von einem Flug auf einen Anschlussflug umsteigen sollten. Nach Angaben des Luftfahrtdatendienstleister Cirium nutzen im Durchschnitt täglich 90.000 umsteigende Urlauber und Geschäftsreisende die Drehkreuze am Golf.

Dertour deutete schon an, dass kurzfristig eventuell nicht für alle Betroffenen Alternativverbindungen gefunden werden können. Für die nächsten Tagen könnten auch diese Urlauber kostenfrei umbuchen oder stornieren. Schauinsland-Reisen teilte schon mit, bis einschließlich Mittwoch alle Reisen, die mit Flugumstiegen am Golf verbunden sind, abgesagt zu haben.

Kreuzfahrtreeder stehen zudem vor der Herausforderung, Schiffe kurzfristig wohl nicht abziehen zu können. Nach Warnungen von Iran gilt die Meerenge zwischen Persischem Golf und Indischen Ozean, die Straße von Hormus, als nur eingeschränkt oder gar nicht passierbar.

Der deutsche Kreuzfahrt-Marktführer Aida ist davon als einer von wenigen Urlaubsanbietern nicht betroffen. Aida hatte nach dem Konflikt zwischen Iran und Isreal im vergangenen Sommer schon damals sein Orient-Kreuzfahrtenprogramm für das Winterhalbjahr abgesagt und stattdessen zusätzliche Fahrten um die Kanarischen Inseln aufgelegt.

Abu DhabiAirlinesAlAsienBehördenDertourDeutschlandDohaDubaiFeuerFluggesellschaftenFlughäfenFlugverkehrFreitagGolfHotelsInselInselnInternetIrakIranIsraelITBJordanienKreuzfahrtenLangeLibanonLufthansaLuftraumLuxusMANOmanPassagiereQatarRaketenabwehrReisenReisendeReiseveranstalterReisewarnungenSchiffeSommerTourismusTUIUrlaubUSUSA