Der erste Transport von Atommüll aus dem rheinischen Jülich ist nach einer Fahrt quer durch Nordrhein-Westfalen im Zwischenlager Ahaus im Münsterland angekommen. Der erste Konvoi mit einem Castorbehälter hat als Auftakt einer Serie von Transporten sein Ziel erreicht, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Einem Polizeisprecher zufolge blieb der Transport „voll im Zeitplan“ und war etwas schneller unterwegs als ursprünglich geplant.
Der Konvoi bestand aus etwa 100 Fahrzeugen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz, wie ein Sprecher des NRW-Innenministeriums mitteilte. Den Transport sicherten insgesamt etwa 2.400 Beamte ab. Die genaue Route hatten die Behörden zuvor nicht bekanntgegeben.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke ins Münsterland sollen
insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren
Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern der Atomabfälle wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Behältern handelt es sich um einen der größten
Atommülltransporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Proteste gegen den Transport
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestierten ab Dienstagabend gegen die geplanten Transporte durch NRW. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum statt. Nach Angaben eines dpa-Reporters waren etwa 20 Teilnehmer vor Ort. „Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch“, sagte Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses Stop Westcastor.
In Ahaus startete zeitgleich eine Demonstration vom Bahnhof zum Rathaus. Dort fand eine Kundgebung statt. Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland sprach von etwa 250 Teilnehmern. Zudem riefen Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus zu einer Mahnwache vor dem Zwischenlager auf.
In Duisburg versammelten sich am Abend an einer Auffahrt zur A42 Dutzende Menschen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Zu der Aktion hatte die Umweltorganisation BUND aufgerufen. Verzögert wurde der Transport durch die Mahnwachen aber nicht.
2014 wurde die Räumung des Mülls angeordnet
Nach früheren Angaben des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten. Es gibt demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten. Die geplanten Transporte werden nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) mindestens 150 Millionen Euro kosten.
BASE hatte die Umlagerung nach Ahaus bereits im August 2025 genehmigt. Doch dem umstrittenen Transport waren mehrere
Gerichtsentscheidungen und eine Bürgerveranstaltung in
Ahaus vorausgegangen. Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport
auf dem Gerichtsweg verhindern wollen und argumentierte, die Sicherheit
der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen
gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht
Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte
stattfinden dürfen.
Schon im Jahr 2013 lief die Genehmigung für die Lagerung von Atommüll im Versuchsreaktor Jülich aus. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet,
das Lager zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht
nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.
Es gibt in Deutschland
derzeit keine Endlager, in denen strahlende Atomabfälle über Hunderttausende Jahre hinweg sicher gelagert werden können. Stattdessen gibt es
16 Zwischenlager, darunter das in Ahaus.