Atlantik: USA sichern Öltanker unter russischer Flagge

Die USA haben nach offiziellen Angaben einen unter russischer Flagge fahrenden
Öltanker im Nordatlantik nahe Island beschlagnahmt. Das bestätigte das europäische Kommando der US-Streitkräfte auf der Plattform X. Das Militär begründete die Aktion mit Verstößen gegen US-Sanktionen. „Das Schiff wurde im Nordatlantik gemäß einem von einem US-Bundesgericht ausgestellten Vollzugsbefehl beschlagnahmt“, heißt es in der Mitteilung. Das US-Kriegsschiff USCGC Munro habe den Tanker verfolgt.

Auf ZEIT-Anfrage verwies die Presseabteilung der US-Regierung ebenfalls auf den X-Post. Der russische
Staatssender RT berichtete, dass US-Soldaten offenbar versuchten, ‍von einem Hubschrauber aus an Bord ​des Tankers Marinera zu gelangen, und veröffentlichte ‌dazu ein
entsprechendes Bild. Es war zunächst nicht unabhängig zu überprüfen, ob die Bilder echt sind. Die Nachrichtenagentur AP meldete ebenfalls, dass Soldaten des US-Militärs an Bord des Schiffes gegangen seien.

Der Tanker hieß zuvor Bella 1, änderte dann aber offenbar seinen Namen. Er soll seit 2024 von den USA wegen seiner Tätigkeit innerhalb einer „Schattenflotte“ von Tankern, die illegales Öl transportierten, mit Sanktionen belegt worden sein, berichtet CNN. Zur sogenannten Schattenflotte werden Tankerboote gezählt, die unter Verstoß gegen Sanktionen Öl für Länder wie
Venezuela, Russland und den Iran transportieren.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth reagierte auf X auf den Post des europäischen Kommandos der US-Streitkräfte: „Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt weltweit in vollem Umfang in Kraft“, sagte Hegseth.

Tanker durchbrach vorher Venezuela-Blockade

Der nun im Atlantik beschlagnahmte Tanker sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN. US-Einheiten der Küstenwache und des Militärs verfolgten das Schiff demnach über mehrere Wochen. CNN zufolge malte die Besatzung des Tankers in dieser Zeit eine russische
Flagge auf den Rumpf und behauptete, unter russischem Schutz zu fahren. 

Kurz darauf erschien das Schiff demnach unter einem neuen Namen – Marinera – im
offiziellen russischen Schiffsregister. Russland reichte letzten Monat
eine formelle diplomatische Anfrage ein, in der es die USA aufforderte,
die Verfolgung des Schiffes einzustellen. Laut der New York Times könnte das Schiff auf dem Weg nach Murmansk gewesen sein, einem eisfreien russischen Hafen in der Arktis.

Russland wirft den USA Verstoß gegen Seerecht vor

Durch den Bezug zu Russland ist die Situation besonders brisant. In der ⁠Nähe des Einsatzortes haben sich laut Insidern zumindest temporär ein ​russisches
U-Boot und ein Kriegsschiff befunden, das sagten zwei US-Vertreter. Es ist aber unklar, ob sie auch während des US-Zugriffs in der Nähe waren.

Russland erklärte, dass die Beschlagnahmung einen Verstoß gegen das Seerecht darstelle. „Gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 gilt auf hoher See die Freiheit der Schifffahrt, und kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß in der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, erklärte das Ministerium in einer Stellungnahme. Es hieß, der Kontakt zu dem Schiff sei abgebrochen, nachdem US-Seestreitkräfte an Bord gegangen waren.

Weiterer Tanker in der Karibik beschlagnahmt

Die Marinera ist nicht der einzige Tanker, den US-Einheiten an diesem Mittwoch beschlagnahmten. Ein weiteres Schiff wurde in karibischen Gewässern festgesetzt. Die M/T Sophia, die in der Karibik beschlagnahmt wurde, unterliege
ebenfalls US-Sanktionen, gehöre zur Schattenflotte und habe „illegale
Aktivitäten“ in der Region vorgenommen, teilte das für die Region
zuständige US-Militärkommando Southern Command auf X mit.

Ein Video in dem Post soll den Einsatz zeigen. Auch das lässt sich allerdings nicht unabhängig überprüfen. 

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