Arzneiversender: Apothekerschreck Redcare wächst ungebrochen

Nach der Veröffentlichung von Umsatzzahlen zum Jahresauftakt ist die Aktie der Onlineapotheke Redcare Pharmacy im Kurs stark gestiegen. Das Papier verteuerte sich im frühen Handel um ein Siebtel und gehörte prozentual zu den größten Tagesgewinnern im Mittelwerteindex M-Dax. Redcare mit der Hauptmarke Shop Apotheke steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Jahres um 18 Prozent auf 848 Millionen Euro. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Redcare erzielt den Großteil seines Umsatzes in Deutschland, sitzt aber im niederländischen Sevenum nahe der Grenze, weil im Nachbarland auch Kapitalgesellschaften Apotheken betreiben dürfen. Das Unternehmen sieht sich als Europas größten Versender von Arzneimitteln und hat den Branchenpionier Docmorris weit überholt.

Ungeliebter Konkurrent

Unter Pharmazeuten im herkömmlichen Handel ist der virtuelle Konkurrent unbeliebt. Ladenapotheker machen geltend, dass nur sie Patienten ausreichende Beratung böten. Redcare hält dagegen: Sein Fachpersonal von mehr als 150 Apothekern und pharmazeutisch-technischen Assistenten erkenne über das interne Patienteninformationssystem mögliche Wechselwirkungen, Doppelverordnungen oder Fehldosierungen sogar besser als herkömmliche Apotheken und kontaktiere bei Bedarf den Kunden oder Arzt.

Im Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneien sind die Onlineversender schon weit vorgedrungen: Redcare und seine Wettbewerber besetzen nach Branchenverbandsangaben zusammengenommen schon ein Fünftel bis ein Viertel des deutschen Markts. Anders ist das bei Arzneimitteln, die nur auf Verschreibung erhältlich sind: Solange Patienten ihr Rezept auf Papier erhielten, mussten sie es den Onlineanbietern per Brief einsenden, was eine hohe Schwelle bedeutet. Neuerdings ist das elektronische Rezept in Deutschland für gesetzlich Versicherte verbindlich; sie können es nun in der Ladenapotheke oder online einlösen.

Der Wachstumsschub für Redcare kommt aus dem Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien, wenn auch von niedrigerem Niveau aus. Ihr Umsatz zog in Deutschland um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal an, länderübergreifend um 35 Prozent. Gleichzeitig achten Analysten darauf, ob das Unternehmen die Zuwachsraten im verschreibungsfreien Segment halten kann: Seine Erlöse stiegen um ein Zehntel, mit 533 Millionen Euro trägt es immer noch die Mehrheit des Umsatzes.

Aufschwung nach einem lange anhaltenden Kursverfall

Die Aktie kostete im frühen Handel 40,70 Euro. Sie hatte in den vergangenen zwölf Monaten im Kurs stark nachgegeben; zuletzt trübte Anfang März ein verhaltener Ausblick die Stimmung. Auch nach dem Kurssprung von Mittwoch hat das Papier in diesem Jahr mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt oder zwei Drittel im Vergleich zum Stand vor einem Jahr. Den Zwischenbericht einschließlich Gewinnzahlen legt Redcare am 6. Mai vor.

Source: faz.net