Artemis II | Wettlauf im All: Übernehmt möglichst Verantwortung für jedes die Probleme hinaus dieser Erde

Raumfahrt fasziniert immer. Nicht umsonst ist Science-Fiction ein Schwerpunkt der Literatur seit Jules Verne, werden ständig die Episoden der Star-Trek-Serie im TV wiederholt. Raumfahrt ist aber zugleich real, und da liegt es weniger auf der Hand, was sie so wichtig macht. In welchen Hauptkontexten steht die aktuelle Mond-Mission?

Triumphierend wird berichtet, dass Menschen noch nie so weit von der Erde entfernt waren wie jene, die in der Artemis-II-Rakete hausen. Das heißt ja nur, dass jetzt auch welche um die Rückseite des Mondes fliegen. Auf seiner Vorderseite sind Menschen schon vor fast einem halben Jahrhundert gelandet.

Die Erinnerung daran führt uns zum ersten wichtigen Kontext. Die Reihenfolge der Schritte, in denen der Weltraum „erobert“ werden soll, wurde seit den 1960er Jahren immer wieder verkündet: erst eine Station auf dem Mond, dann von dort aus zum Mars. Im Juli 1989, als der Kalte Krieg zu Ende ging, wurden Jahreszahlen genannt, vom US-Präsidenten George Bush: Einrichtung der Mondstation bis 2005, Marslandung bis 2019.

Trump ist nicht Kennedy und China ist dabei, die USA technologisch zu überflügeln

Doch so schnell ging es nicht. Später las man neue Termine, und auch sie wurden nicht eingehalten. Denn andere politische Prioritäten gingen vor, und die technische Entwicklung brauchte mehr Zeit. Letzteres war aber schon in den 1960ern bekannt. Man wusste eigentlich genau: Die erste Mondlandung 1969 kam zu früh, weil das nicht der Zwischenschritt war, der die technische Gesamtstrategie damals am meisten förderte. Nur wollte John F. Kennedy, der US-Präsident, der diese Landung geplant hatte, unbedingt die US-Flagge vor der sowjetischen auf dem Mond sehen.

Ähnlich denkt heute offenbar US-Präsident Donald Trump. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, China lebt aber und ist dabei, die USA technologisch zu überflügeln. Der chinesische Plan ist, dass Menschen bis 2030 auf den Mond zurückkehren, dann mit der Perspektive des Aufbaus der Mondstation. Die USA unter Trump wollen dem zuvorkommen und es schon 2028 erreichen. Indessen ist der Wettlauf technisch sinnlos, und China hat es auch politisch kaum nötig, sich auf ihn einzulassen.

Aber Trump ist nicht Kennedy. Unter seiner Führung wird das Spannungsverhältnis zur Ökologie, in dem Raumfahrt seit jeher stand, viel deutlicher. Das ist der zweite wichtige Kontext. Im selben 1960er Jahrzehnt, in dem das „Apollo“-Programm für die erste Mondlandung entwickelt wurde, begann auch, zunächst in den USA, die Ökologiebewegung, wie wir sie heute kennen.

Die Fantasie, eine globale Katastrophe werde die Menschheit zwingen, die Erde zu verlassen

Damals bereits gab es die Fantasie, eine globale Katastrophe werde die Menschheit zwingen, die Erde zu verlassen – ein Atomkrieg, die Überbevölkerung, zunehmend aber die sich abzeichnende ökologische Katastrophe –, und es war manchen klar bewusst, dass eine Alternative im (Welt-)Raum stand: Muss man von der Erde fliehen, weil sie nicht mehr zu retten ist? Oder sollten wir sie mit aller Kraft retten, um nicht fliehen zu müssen?

Es sei an Lewis Mumford erinnert, auf dessen zwei Bände zum Myth of the Machine (1967/1970) Rudolf Bahro, zunächst als Mitglied der Grünen, die er dann verließ, in den 1980er Jahren zurückgriff. Die Lebensqualität auch nur eines Quadratkilometers Erde, schrieb Mumford, nehme es mit allen Planeten des Sonnensystems auf. Das Raumfahrtprogramm lenke die Menschheit von der Aufgabe ab, sich um ihre einzige Heimat zu kümmern, die Erde.

Mumford übt Religionskritik, er sieht so etwas wie Pyramiden in den Mondraketen: „Es ist von ätzender Symbolik, dass die letzten Produkte der Megamaschine in Ägypten kolossale, von Mumien bewohnte Grabstätten waren. Sind denn die großartigen ägyptischen Pyramiden etwas anderes als statische Äquivalente unserer eigenen Weltraumraketen? Diese wie jene sind extrem teure Vorrichtungen, um einer privilegierten Minderheit den Flug in den Himmel zu ermöglichen.“ Er nennt sie die „kolossalen Missgeburten einer entmenschlichten, machtbezogenen Kultur“.

Wann gibt es Widerstand gegen diese Strategen der Verantwortungslosigkeit wie Trump und Musk

So viel Klarheit ist in den Jahrzehnten danach völlig verschwunden. Sie zu wahren, wäre Aufgabe der Grünen gewesen, sie haben es nicht vermocht. Aber heute ist es wieder sehr klar geworden. Denn dieselben US-Politiker wie Trump und Kapitalisten wie Elon Musk, die jetzt wieder mit transterrestrischen Events glänzen, versuchen auch, jedes Interesse an Ökologie auszulöschen – während sie für sich selbst schon Bunker bauen und seltene Landstriche, in denen man der ökologischen Katastrophe am längsten standhält, gekauft haben. Kapitallogisch gesehen ist es eben günstiger, an Raumfahrt zu verdienen, als Geld zur Rettung der Erde auszugeben. Wann endlich gibt es Widerstand gegen diese Strategen der Verantwortungslosigkeit, ja der Vernichtung?

China strebt nicht nur ins All, sondern hat auch ökologische Prioritäten gesetzt. Das ist tief in der chinesischen Kultur verwurzelt, in der niemals ein guter Himmel gegen eine böse Erde ausgespielt wurde, sie sich vielmehr wie Yin – Ruhe, Weiblichkeit – und Yang – Männlichkeit, Bewegung – in den Mythen zueinander verhielten.

Ruhe kann Besonnenheit heißen, Bewegung muss nicht blinde Flucht sein. Das ist jedenfalls besser, als wenn in unserer Bibel die Erde „für das Feuer aufgespart“ ist, am „Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen“ (2. Petrusbrief). Wir sollten es nicht für unmöglich halten, dass US-Evangelikale immer noch daran glauben. Von China lernen? Gewiss nicht in jeder Hinsicht. Schon aber da, wo es um Himmel und Erde geht.

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