Armut wie Risikofaktor – nebensächlich zu Gunsten von die Gesundheit

Stand: 16.03.2026 • 12:26 Uhr

Die materielle Situation von Menschen hat Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand. In Berlin wird auf einem Kongress darüber diskutiert, wie mehr Gerechtigkeit hergestellt werden kann.

„Gesundheit ist politisch!“ ist das Motto des Kongresses „Armut und Gesundheit“ in Berlin. Das Thema „Gesundheitsgerechtigkeit“ hat offenbar Konjunktur. 1.400 Teilnehmer erwartet der Veranstalter, das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit.

Auch ein Gremium von Menschen mit Armutserfahrung ist dabei. Die berichten aus erster Hand, wie sich das Gesundheitssystem für sozial Schwache anfühlt. Maren Janella vom Verein Gesundheit Berlin Brandenburg und Projektleiterin des Kongresses betont, dass deren Perspektiven unverzichtbar seien.

Die Mitglieder „machen sichtbar, was unser Motto betont: Gesundheit ist politisch – und sie liegt in gemeinsamer Verantwortung“, so Janella. „Beteiligung ist ein wesentlicher Aspekt von Gesundheitsförderung“, fährt sie fort. „Das ist handlungsleitend für den Kongress Armut und Gesundheit, der von der Stärke seiner Community lebt.“

7,2 Jahre geringere Lebenserwartung

Das Robert Koch-Institut (RKI) liefert regelmäßig Zahlen zum Zusammenhang zwischen ökonomischer Lage und gesundheitlichem Wohlergehen. So haben Männer in „Wohnregionen mit der höchsten sozioökonomischen Benachteiligung“ eine um 7,2 Jahre geringere Lebenserwartung als Männer in den wohlhabendsten Regionen. Bei Frauen beträgt der Unterschied 4,3 Jahre.

Die Freie Universität Berlin (FU) stellt gemeinsam mit dem Umweltbundesamt den Veranstaltungsort für den Kongress bereit. Verena Blechinger-Talcott, Erste Vizepräsidentin der FU, erklärt: „Armut und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft – gesundheitliche Chancen sind kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen.“ Aufgabe von Universitäten sei es, solche Zusammenhänge „wissenschaftlich sichtbar zu machen und den Dialog darüber zu ermöglichen.“

Der Unterschied zwischen Arm und Reich habe in Sachen Lebenserwartung zugenommen, vermeldet das RKI. Seit 2003 sei die Lücke bei Männern um 1,5 Jahre größer geworden, bei Frauen gar um 1,7 Jahre.

Umwelt als Gesundheitsfaktor

Für Antje von Broock ist das auch eine Frage der Umwelteinflüsse. Sie ist Abteilungsleiterin für Kreislaufwirtschaft, Immissionsschutz und Chemikaliensicherheit im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Broock sagt: „Dem Zugang aller Menschen zu sauberer Luft, sicherem Wasser und gesunden Lebensräumen kommt daher eine große Bedeutung zu.“ Auf dem Kongress würde darüber diskutiert, „wie jeder Mensch, unabhängig von Herkunft oder Einkommen, in einer Umgebung leben kann, die Gesundheit fördert und Armut mindert.“

Ökosysteme als Voraussetzung für Chancengleichheit

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts, setzt ebenfalls den Einfluss der Umwelt auf die persönliche Gesundheitslage in den Fokus: „Stabile Ökosysteme und der sorgsame Umgang mit Naturressourcen sind Voraussetzungen für die Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit.“ Das Umweltbundesamt leiste mit seiner wissenschaftsbasierten Politikberatung „einen Beitrag für eine zukunftsfähige, lebenswerte und sozial gerechte Gesellschaft.“

Die Veranstalter versprechen sich vom Kongress, dass Wege aufgezeigt werden, wie sozial bedingte Ungleichheiten bei den Gesundheitschancen nachhaltig verringert werden können.

Source: tagesschau.de