Wie üblich wird auch nach dem jüngsten Preisanstieg nach Geld gerufen. Aber aus welchem Grund muss die Bundesregierung den Deutschen in sämtlichen außenpolitischen Krisen finanziell unter die Arme greifen?
Die Corona-Jahre haben die pubertären Wesenszüge der Deutschen verstärkt, einerseits ewig über Vater Staat und sein vermeintliches oder tatsächliches Versagen zu meckern, andererseits sofort die Hand aufzuhalten, wenn Geld verteilt wird. Wo es ausbleibt, weil der Staat es nicht mehr so dicke hat, wird es empört gefordert und „Staatsversagen“ geschrien, wenn die Hilfe ausbleibt.
Man kann es dieser Tage bei der Diskussion über die hohen Spritpreise erleben. Die Schuld wird sofort bei den deutschen Politikern gesucht, dabei sitzt der Verantwortliche im Nahen Osten. Der Regierung wird jählings unterstellt, unfähig zu sein, weil sie das Problem nicht in den Griff bekommt, obgleich es in keinem anderen europäischen Land überzeugend gelungen ist, die Benzinpreise dauerhaft niedrig zu halten.
Wie üblich wird nach Geld gerufen, ohne sich zu fragen: Aus welchem Grund muss die Bundesregierung den Deutschen in sämtlichen außenpolitischen Krisen finanziell unter die Arme greifen? Der Ölpreis sinkt, sobald der Krieg vorüber ist.
Bis dahin kann über eine Geschwindigkeitsbegrenzung nachgedacht werden, vielleicht auch über eine zeitweilige Erhöhung der Pendlerpauschale. Sie würde im nächsten Jahr diejenigen besser stellen, die viel mit ihrem Wagen unterwegs sein müssen, aber eben nicht die, die auf Fahrten verzichten könnten.
Wie kann er es wagen, diejenigen zu übergehen, die nur wenig Lohn bekommen, wird sich nun mancher Leser fragen. Eine Antwort darauf lautet: Die Deutschen gaben im vergangenen Jahr rund 90 Milliarden Euro für ihren Urlaub aus. Armut sieht anders aus.
Source: welt.de