Architektur: Auch Prunk verträgt kleine Menge Humor


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Was macht eigentlich Philippe Starck? Der elegante Clown der angewandten Künste war einst mal das Gesicht der fröhlichen Postmoderne, die keine Angst vor Geschmacksexzessen hatte. Starck setzte Lampenschirme auf goldene Kalaschnikows, entwarf eine coole Zitronenpresse mit drei Beinen, die nicht ohne Schweinerei funktioniert, oder er schuf eine völlig sinnlose Kombination aus Fahrrad und Tretroller, die wegen Rahmenrissen bald wieder aus dem Verkehr gezogen wurde. 

Aber in der aktuellen Gegenreformation der Unvernunft, wo der Exzess wieder so schamlos ist wie selten zuvor, ist der Design-Fasching des französischen Verkleidungskünstlers ein gewisser Trost.

Philippe Starck macht’s vor: Wenn schon Verschwendung, dann mit Humor

Während sich etwa die Großbank JP Morgan Chase gerade in New York von Norman Foster einen mega-MAGA Super-Wolkenkratzer in Bernsteinfarben hinsetzen ließ, dessen Stahlverbrauch als Band gepresst zweimal um die Erde reicht, setzt Starck eine romantische Villa aus Aluminium auf das Flachdach eines Hotels in Metz.

Die Glasmalereien in den Fenstern sind von Starcks Tochter Ara Starck entworfen worden

© Julius Hirtzberger

Mit Spitztürmchen, Glasmalerei und idyllischem Garten ist sein „Maison Heler“ ein herrliches Kitsch-Monument auf einem langweiligen Klotz, in dessen prall dekorierten Zimmern Gäste für unter 100 Euro logieren. Oder er entwirft in Andalusien ein Museum für Olivenöl, aus dessen erdroter Fassade ein erigierter Wurm kommt, wo auf der Seitenwand ein Gottesauge eingraviert ist und neben dem Eingang aus einem phallischen Rohr Wasser auf den Kopf einer Skulptur plätschert. 

Wenn schon Verschwendung, dann mit Humor. Denn Protz ist immer peinlich, außer wenn der Architekt die dicke Hose als Spott in die Fassade integriert. Dann erzählt dieser frivole Exzess etwas vom Spaß am Leben, während der braune Priap in Manhattan für immer ein Ekzem obszöner Rendite im Gesicht der Stadt bleibt.

Source: stern.de