Gemessen am Chaos, das Trumps Arbeitsweise täglich hervorruft, blieb seine Regierung erstaunlich lange stabil. Im ersten Jahr nach seiner Wiederwahl musste nur sein Sicherheitsberater gehen; zu Beginn von Trumps erster Amtszeit waren da weit mehr Köpfe gerollt.
Jetzt aber scheidet zum dritten Mal in kurzer Zeit ein Kabinettsmitglied aus: die Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer. Ihr Rücktritt folgt auf die Entlassung von Heimatschutzministerin Kristi Noem und von Justizministerin Pam Bondi.
Harte Hintergründe
Man sollte das nicht feministisch deuten. Die drei Frauen trennt mehr, als sie gemeinsam haben. Noem musste gehen, weil sie Trumps Abschiebungspolitik mit einer Härte durchsetzte, die selbst für Teile seiner Wählerschaft zu viel war. Bondi lieferte dem Präsidenten nicht genug Erfolge im juristischen Rachefeldzug gegen seine Widersacher. Das sind harte politische Hintergründe, die auch Männer den Job in der Politik kosten können.
Der Fall Chavez-DeRemer dagegen dreht sich um Vorwürfe von persönlichem Fehlverhalten, Missbrauch von öffentlichem Geld und sexuellen Übergriffen ihres Ehemanns. Da gab es auch besorgte Nachfragen von Republikanern. Wenn dieser Fall etwas lehrt, dann vor allem wieder eines: Die MAGA-Wende hat nicht zu einer moralischeren Politik geführt, wie viele ihre Anhänger glaubten. Sie bringt keine makellosen Menschen nach oben, sondern gewöhnliche.
Source: faz.net