Im zehnten Jahr ihres Bestehens steht der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) ein Stellenabbau bevor. Die Behörde sitzt in Berlin und hat Standorte in Düsseldorf und Eschborn. Sie überwacht, ob Wirtschaftsprüfer die Bilanzen von öffentlich bedeutsamen Unternehmen unabhängig und kritisch prüfen. Organisatorisch ist die Prüferaufsicht beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingegliedert. „Für die laufende Legislaturperiode steht bei der APAS eine Gesamteinsparung einer einstelligen Anzahl an Stellen im Raum“, teilte ein BAFA-Sprecher auf Anfrage der F.A.Z. mit. Die Einsparungen würden im Wesentlichen durch Nichtbesetzung offener und freiwerdender Stellen realisiert.
Obwohl niemand seinen Arbeitsplatz verliert, dürfte der Stellenabbau die ohnehin unter Personalmangel leidende APAS in eine kritische Situation bringen. Die mit rund 70 Planstellen eher kleine Behörde muss ihre nicht nur wegen des Wirecard-Bilanzskandals deutlich gewachsenen Aufgaben künftig mit spürbar weniger Personal erfüllen. Die APAS wurde 2016 gegründet, um die Berufsaufsicht über die Wirtschaftsprüfer auf unabhängige Beine zu stellen. Zuvor hatte sich der Berufsstand der Bilanzprüfer mehr oder weniger selbst beaufsichtigt.
Wie die APAS nach dem Wirecard-Skandal aus dem Schatten trat
Nach ihrer Gründung führte die APAS zunächst ein Schattendasein, für das sich fast nur die Fachwelt interessierte. Ins Licht der Öffentlichkeit trat sie von 2020 an, als es um die Aufklärung der Wirecard-Insolvenz ging, der größten Firmenpleite der Nachkriegszeit. Die APAS musste die Fehltritte der für die Kontrolle der Wirecard-Bilanzen zuständigen Wirtschaftsprüfung EY sowie einzelner Wirtschaftsprüfer untersuchen. Die Ermittlungen waren das mit Abstand größte Verfahren, das die APAS bisher geführt hat. Es war eine Bewährungsprobe.
„In der APAS sorgen die bevorstehenden Stellenkürzungen für Unruhe“, sagt Annette Köhler. Sie ist Professorin für Rechnungswesen, Controlling und Wirtschaftsprüfung an der Universität Duisburg Essen und Vorsitzende des Fachbeirats der APAS. „Der Gesetzgeber erteilt der Behörde immer neue Aufgaben, sodass der Personalbedarf wächst“, sagt Köhler. Würden wie erwartet acht der bislang 71 Stellen gestrichen, hätte die APAS aber weniger Personal als der Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags damals gefordert hatte. Anders als ein privater Arbeitgeber könne die APAS Fachkräfte nicht kurzfristig befristet einstellen oder interne Prozesse unabhängig vom behördlichen Umfeld automatisieren.
Der berufsaufsichtliche Aspekt des Falls Wirecard ist mittlerweile weitgehend bewältigt, trotzdem leidet die APAS nach wie vor an Personalmangel. Denn zum Beispiel mit der Kontrolle der Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten kommen neue Aufgaben auf die Inspekteure zu. Die Umsetzung der kürzlich von Brüssel überarbeiteten EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie soll in Deutschland in diesem Jahr verabschiedet werden. Wie im Anfang Januar veröffentlichten Arbeitsprogramm der APAS zu lesen ist, soll etwa beurteilt werden, wie Wirtschaftsprüfer im Rahmen ihres Qualitätsmanagements auf die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten vorbereitet sind.
In Nachhaltigkeitsberichten informieren Unternehmen ihre Investoren und die Öffentlichkeit über die Folgen ihrer Geschäftstätigkeit für das Klima und die Umwelt, aber auch über dem Unternehmen drohende Klima- und Umweltrisiken. Die APAS will untersuchen, ob die Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten etwa durch Fortbildungen vorbereitet sind und die Vorschriften zur Unabhängigkeit eingehalten werden. Natürlich stehen auch die Prüfmethoden auf dem Untersuchungsplan.
Zudem will sich die APAS mit den seit Kurzem deutlich zunehmenden Investitionen von Private Equity Fonds in der Prüferbranche befassen. Neben regelmäßigen Inspektionen von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die einen präventiven Charakter haben, führt die APAS anlassbezogene Untersuchungen durch, wenn es Anhaltspunkte gibt, dass Wirtschaftsprüfer ihre Berufspflichten verletzt haben.
Im Wirecard-Skandal hatte die APAS in einem Mammutverfahren schwere Pflichtverletzungen durch die Prüfungsgesellschaft EY und einzelne Wirtschaftsprüfer festgestellt. Sie verhängte unter anderem ein zweijähriges Wettbewerbsverbot gegen EY, das im Frühjahr endet.