Irans Antwort auf Donald Trump heißt Ebrahim Zolfaghari. Der Sprecher des iranischen Zentralkommandos hat sich mit kurzen englischsprachigen Show-Einlagen zum Social-Media-Phänomen entwickelt. „Du bist gefeuert“, rief er dem amerikanischen Präsidenten am Montag zu, in Anspielung auf dessen Rolle in der Fernsehshow „The Apprentice“. Dann äffte er einen weiteren Lieblingssatz Trumps nach: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit für diese Angelegenheit.“ Dabei wirkte Zolfaghari mit seinem Pokerface wie Oliver Welke in der „heute Show“.
Während der Sprecher der Revolutionsgarde von Israel getötet wurde, gibt Zolfaghari weiter täglich Kommentare zur Lage des Krieges ab. „Herr Trump“, sagt er zum Beispiel, „der Ausgang dieses Krieges wird nicht durch Tweets entschieden“. Am Mittwoch machte er sich über den vermeintlichen 15-Punkte-Friedensplan Washingtons lustig. „Haben eure internen Konflikte einen Punkt erreicht, an dem ihr mit euch selbst verhandelt?“
Zolfagharis Auftritte sind Teil einer Social-Media-Kampagne, die das iranische Militär cool und lässig wirken lassen soll. Mit Spott über Trump international Beifall zu bekommen, ist freilich nicht schwer. Man kann nur mutmaßen, ob das auch bei der iranischen Jugend ankommt. Klar ist, dass Teheran seit Jahren viel Geld in Popkultur und Social-Media-Inhalte investiert, um bei den Kindern der Regimeanhänger zu punkten.
Er wendet sich mit Botschaften über Palästina gezielt an sein Publikum
Zolfaghari ist im Vergleich zu anderen Sprechern des Regimes jung. Er spricht für das Khatam-al-Anbiya-Zentralkommando, das für die Koordination zwischen der Revolutionsgarde und der regulären Armee zuständig ist. Er ist auch deshalb besonders sichtbar, weil sich die iranischen Führer nur noch in schriftlicher Form äußern und aus Sicherheitsgründen nicht mehr physisch in Erscheinung treten. So ist der Militärsprecher zu einer Art Gesicht des Krieges geworden.
Als solches wird er nun auch gezielt aufgebaut. In einem Animationsfilm der Revolutionsgarde gibt es eine Szene, in der der israelische Generalstabschef Eyal Zamir auf einem Bildschirm in einer unterirdischen Kommandozentrale Zolfagharis Ansprache lauscht und sich beunruhigt über dessen Aussagen zur Schlagkraft der iranischen Raketen zeigt. Stolz berichten regimenahe Portale, dass internationale Medien wie die „Daily Mail“ Zolfagharis Videos weiterverbreitet hätten und seine Auftritte unter arabischen, türkischen und selbst hebräischsprachigen Internetnutzern populär seien. Der Militärsprecher spricht auch Arabisch und wendet sich mit Botschaften über Palästina gezielt an dieses Publikum. Von Zolfaghari zirkulieren etliche Memes, die nicht alle schmeichelhaft sind. Eines zeigt ihn im rosa Kleidchen.
In seinen Auftritten stützt er sich selbstbewusst auf ein Rednerpult, fixiert den Zuschauer, schwenkt beschwörend den Zeigefinger und hebt die Stimme, als spreche er vor einem Saalpublikum. Seine Hauptbotschaft ist Kraftmeierei. „Solange wir es nicht erlauben, wird die Lage nicht zum Vorkriegsstatus zurückkehren.“ Er verkörpert das Selbstbewusstsein eines Regimes, das sich angesichts der Kontrolle über die Straße von Hormus und Raketeneinschlägen in Israel am längeren Hebel wähnt.
Widerspruch mit der Revolutionsgarde
Seine Aussagen sind aber nicht unbedingt deckungsgleich mit dem, was an anderen Enden des Machtapparats kommuniziert wird. Ob das Absicht ist oder ein Zeichen für Meinungsverschiedenheiten oder ein Hinweis, dass der Kommunikationsaustausch nur noch bedingt funktioniert, ist schwer zu sagen. Zumindest in einem Fall widersprach die Revolutionsgarde Zolfagharis Äußerungen vehement.
Der Militärsprecher hatte für den Fall amerikanischer Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur mit Vergeltungsschlägen auf Entsalzungsanlagen in der Region gedroht. Doch die Revolutionsgarde stellte klar, dass Iran keine Entsalzungsanlagen angreifen werde, weil dies „Härten für die Bevölkerung in den Ländern der Region“ bedeuten würde. Vielmehr würden Teherans Reaktionen weiterhin spiegelbildlich und „auf derselben Ebene“ ausfallen. „Wenn ihr Elektrizität trefft, werden wir Elektrizität treffen.“ Und so war es wohl auch nicht Teherans letztes Wort, als Zolfaghari am Mittwoch jegliche Verhandlungen mit den USA für immer auszuschließen schien: „Leute wie wir werden nicht mit Leuten wie euch auskommen. Jetzt nicht – und niemals.“
Source: faz.net