Dem Aktienkurs der Commerzbank bekommt der öffentlich ausgetragene Streit mit Großaktionär Unicredit gut. Seit einem Monat ist ihr Börsenwert um 22 Prozent auf jetzt 41 Milliarden Euro gestiegen. Der Aktienkurs liegt Mitte April nun nur rund 1,50 Euro unter dem Rekord vom August 2025, als für eine Commerzbank-Aktie 37,90 Euro gezahlt wurde. Dies dürfte daran liegen, dass es abseits des Streits zwischen den beiden Vorstandschefs beider Bankhäuser über den Sinn eines Zusammenschlusses gerade um den Kaufpreis für Unicredit geht. Den muss der Vorstand der Commerzbank möglichst hochtreiben.
Am Montagabend hieß es denn auch in einer Reaktion der Commerzbank auf eine Präsentation von Unicredit-Chef Andrea Orcel zu Wochenbeginn: „Anstatt den Aktionären der Commerzbank jedoch eine angemessene Prämie für die angestrebte Kontrolle zu bieten, verfolgt Unicredit den gegenteiligen Weg und greift die aktuelle Performance und Bewertung der Commerzbank an.“ Dies sei „höchst bedenklich“ und „feindliche Taktik“. Weiter beklagt die Commerzbank, „irreführende Darstellungen“ von Unicredit untergrüben „das für das Bankgeschäft notwendige Vertrauen“.
Unicredit „ex Dividende“
Am 16. März hatte Unicredit den Commerzbank-Aktionären ein Umtauschangebot für Mai angekündigt: Die italienische Bank will freiwillig 0,485 Unicredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie zahlen – noch bevor sie mit ihrem Anteil die Schwelle von 30 Prozent überschritten hat, mit der ein gesetzlich vorgeschriebenes Übernahmeangebot fällig wird. Das Angebot bedeutete für Commerzbank-Aktionäre am Tag der Bekanntgabe eine Prämie von vier Prozent.
Da die Unicredit-Aktie seit einem Monat „nur“ um knapp 20 Prozent und damit um gut zwei Prozentpunkte weniger als die Commerzbank-Aktie gestiegen ist, schrumpft die Prämie. Allerdings hat Unicredit am 20. April (Ex-Dividende-Tag) 1,72 Euro je Aktie ausgeschüttet. Dieser Dividendenabschlag gehört zur Rendite ihrer Anteilseigner.
Just am Morgen des Ex-Dividende-Tags hatte Orcel erstmals einen Plan mit mehreren Szenarien vorgelegt, wie er sich ein Zusammengehen mit der Commerzbank vorstellt. Er hält bis 2028 einen um 900 Millionen Euro höheren Gewinn im deutschen Kreditinstitut für möglich als der Commerzbank-Vorstand. Diese 900 Millionen Euro sollen im Wesentlichen durch Kosteneinsparungen in der Commerzbank erreicht werden. Ein dann folgender Zusammenschluss mit Unicredits Münchener Tochtergesellschaft Hypovereinsbank (HVB) könnte dann nach Orcels Vorstellungen die Gesamtkosten beider Banken bis 2030 auf weniger als sechs Milliarden Euro begrenzen. Derzeit kommen Commerzbank und HVB gemeinsam auf Kosten von mehr als acht Milliarden Euro.
Commerzbank kündigt Strategieupdate an
Unicredit will das Firmenkundengeschäft der Commerzbank außerhalb von Polen und Deutschland ausdünnen. Dazu zeigte Orcel in seiner 34 Seiten starken Präsentation ein Schaubild, wo auf der Welt die Commerzbank mit Angeboten aktiv ist. Dabei kann der Eindruck entstehen, es handele sich um Niederlassungen der Commerzbank, was aber nicht in jedem Fall so ist.
Abseits der Wortgefechte ist beachtenswert, dass Orcel vage ein höheres Angebot in Aussicht stellt, sollte die Commerzbank seine Vorschläge für Verhandlungen aufgreifen. Doch Vorstandschefin Bettina Orlopp wies sie zunächst als feindlich zurück und betont die Umsetzungsrisiken von Orcels Plan. Sie plant für den 8. Mai nicht nur höhere Ziele, sondern auch ein Strategieupdate bis zum Jahr 2030 vorzulegen, mit dem „Eigenständigkeit“ den Aktionären als die bessere Option „verkauft“ werden soll. Analysten der Citigroup vermuten, dass die Commerzbank für 2028 dann statt 13 Prozent eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent und 2030 sogar mit 20 Prozent plant.
Um das bisher geltende Renditeziel zu erreichen, hält der Commerzbank-Vorstand den Abbau von 3900 Stellen in der in Deutschland 25.000 Leute umfassenden Belegschaft für erforderlich, Unicredit plant mit 7000 weniger Stellen. Bei der HVB hat sie seit 2006 rund 60 Prozent aller Stellen gestrichen. Aktienanalysten gefällt, dass die von Orcel als unterdurchschnittlich rentabel kritisierte Commerzbank in jedem Fall getrimmt werden soll: Die Barclays-Bank ist nicht die Einzige, die ihre Kaufempfehlung für die Commerzbank-Aktie erneuerte. Sie erhöhte diese Woche ihr Kursziel von 36 auf 42 Euro.
Source: faz.net