Antisemitismus: EU-Behörde sieht Lücken im Zusammenhang Erfassung antisemitischer Vorfälle

Unzureichende und uneinheitliche Daten zur Erfassung antisemitischer Vorfälle bremsen nach Angaben der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) wirksame Gegenmaßnahmen in Europa aus. Die EU-Mitgliedsstaaten würden gemeldete Fälle
unterschiedlich klassifizieren und zählen
, heißt es in einem FRA-Bericht. Dies verzerre die Statistiken und mache Vergleiche
unmöglich. „Das Fehlen verlässlicher und vergleichbarer Daten untergräbt
weiterhin die Bemühungen, Antisemitismus entgegenzuwirken“, hieß es.

In dem Bericht fordert die Agentur Leitlinien und
Schulungen, mithilfe derer die Polizei antisemitische Motive gezielt erkennen lernen soll.
Zudem plädiert die Agentur für eine stärkere Zusammenarbeit mit der
Zivilgesellschaft, um die Zahl nicht gemeldeter Fälle zu verringern.

„Juden in ganz Europa sind nach wie vor mit anhaltendem Antisemitismus
konfrontiert
„, sagte FRA-Direktorin Sirpa Rautio. Um dem
entgegenzuwirken, seien „abgestimmte Anstrengungen erforderlich“, denen solide Daten zugrunde lägen und Antisemitismus in Europa in seiner ganzen Breite erfassten. „Nur dann können wir Täter zur Rechenschaft
ziehen, Gerechtigkeit für Opfer schaffen und ein Europa fördern, wo
Juden frei und offen leben können“, sagte Rautio.

„Zunehmende Welle an Antisemitismus“

In ihrem letzten Bericht von 2024 (PDF) hatte die
EU-Agentur mitgeteilt, dass Europas jüdische Gemeinschaft mit einer
„zunehmenden Welle an Antisemitismus“ konfrontiert sei. Demnach untergräbt der sogenannte Nahostkonflikt auch die Fortschritte im Kampf gegen den Antisemitismus. 

In einer zwischen Januar und Juni 2023, also vor dem
Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023, ausgeführten
Online-Umfrage hatten 96 Prozent der befragten europäischen Jüdinnen und
Juden angegeben, im Vorjahr „mindestens eine Form von Antisemitismus“ erlebt zu haben. Die FRA verwies darauf, dass Antisemitismus auch vor dem
Hamas-Überfall allgegenwärtig war. 

Der FRA-Bericht bezieht sich auf die 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie die Beitrittskandidaten Albanien,
Nordmazedonien und Serbien. 15 EU-Staaten,
darunter Deutschland, Frankreich und Spanien, hatten 2022 eine Erklärung
unterzeichnet, die eine gemeinsame Methode zur Quantifizierung und Qualifizierung antisemitischer Vorfälle anstrebt.

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