Angst vor dem „Endlos-Krieg“: So denken die US-Amerikaner jenseits Trumps Iran-Einsatz

Angst vor dem „Endlos-Krieg“So denken die US-Amerikaner über Trumps Iran-Einsatz

11.03.2026, 15:52 Uhr Von Laura Stresing

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US-Präsident Donald Trump bei der Überstellung der Leichname von sechs im Iran getöteten Soldaten in die USA. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Mit dem Angriff auf den Iran bricht Trump mindestens vorübergehend mit seinen zentralen Wahlkampfversprechen. Umfragen zeigen aber: Die MAGA-Basis hält zu ihrem Präsidenten – erst recht in Kriegs- und Krisenzeiten.

Als neu gewählter Präsident versprach Donald Trump, die Lebenshaltungskosten zu senken und die USA aus internationalen Konflikten herauszuhalten. Im zweiten Jahr seiner Amtszeit scheint davon wenig übrig geblieben. Mit dem Angriff auf den Iran stürzt die Trump-Regierung die Golfregion ins Chaos und riskiert eine neue Öl- und Energiekrise.

Die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner sehen das Vorgehen ihres Präsidenten überwiegend kritisch, zeigen Umfragen. Wie so oft in den USA verlaufen Zustimmung und Ablehnung streng entlang der Parteilinien. So unterstützen laut einer neuen Ipsos-Umfrage für die Nachrichtenagentur Reuters zwei Drittel der Republikaner, aber nur fünf Prozent der Demokraten den US-Militäreinsatz im Iran. Unter allen Befragten lehnen 43 Prozent die Aktion ab, nur 29 Prozent befürworten sie. Ein fast ebenso großer Teil der Befragten (28 Prozent) zeigt sich unschlüssig.

Dabei sind sich die meisten ziemlich sicher, dass sich der Krieg negativ auf ihre täglichen Ausgaben auswirken wird. 67 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Benzinpreisen. Mehr als jeder vierte Republikaner äußert jedoch die Hoffnung, dass Benzin und Diesel wieder billiger werden. Außerdem glaubt in dieser Wählergruppe mehr als die Hälfte, dass sich infolge des US-Militärangriffs die Lage der Menschen im Iran verbessern wird. In der allgemeinen Bevölkerung teilt nur jeder Vierte diese Einschätzung. Die meisten Befragten (42 Prozent) befürchten vielmehr, dass sich die Bedingungen im Iran durch den Krieg verschlechtern.

Auch im Hinblick auf die Dauer des US-Einsatzes zeigen sich Republikaner tendenziell optimistischer. Eine Mehrheit von 62 Prozent rechnet demnach mit einem baldigen Abzug des eigenen Militärs. Unter Demokraten glauben nur 22 Prozent an ein schnelles Ende des US-Engagements, unter allen Befragten sind es 36 Prozent.

Der Iran-Krieg könnte für die Republikaner zu einem sensiblen Thema bei den anstehenden Zwischenwahlen im Herbst werden. Viele US-Bürgerinnen und -Bürger fürchten einen neuen sogenannten „forever war“, also einen Endlos-Konflikt in der Golfregion. Seit Beginn des erneuten Kampfeinsatzes Ende Februar im Iran wurden mindestens sieben US-Soldaten getötet. Bis heute hat Donald Trump kein absehbar erreichbares Ziel benannt oder Pläne offengelegt, aus denen sich eine mögliche Einsatzdauer ergeben könnte.

Unterdessen wächst der Unmut über steigende Preise an den Tankstellen. In den USA sind viele Menschen auf ihr Auto und bezahlbaren Kraftstoff angewiesen. Durch die Kampfhandlungen in der Golfregion kann die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten für Öltransporte, derzeit nicht befahren werden. Die Verbraucherkosten für Benzin und Diesel steigen durch die höheren Ölpreise. Und höhere Energiepreise schlagen sich auch in Mehrkosten für andere Alltagsprodukte nieder.

Beim diesem Thema, der Inflation, ist der Druck auf die Trump-Regierung besonders groß. Laut den von dem Portal RealClearPolitics ermittelten Durchschnittswerten auf Basis verschiedener Umfragen sind mehr als 61 Prozent der US-Bürgerinnen und -Bürger unzufrieden damit, wie ihr Präsident die Probleme der Teuerungsraten angeht. Auch über die Wirtschaftspolitik hat sich die Unzufriedenheit der Wähler seit Amtsantritt verstärkt.

Zum Iran-Krieg scheint das Meinungsbild bislang weniger gefestigt. Vor allem republikanische Wählerinnen und Wähler scheinen gewillt, sich hinter ihrem Präsidenten zu versammeln, wie in Kriegs- und Krisenzeiten üblich. Im Schnitt befürworten gut 44 Prozent der Befragten Trumps Entscheidung, den Iran anzugreifen. Gut 48 Prozent halten es für eher problematisch. Der sogenannte „Rally around the flag“-Effekt, also das Scharen um die Flagge, zeigt sich wesentlich weniger als in vergangenen Konflikten.

Die hohe Zahl der Unentschlossenen ist ein Indiz dafür, dass sich viele Befragte noch kein abschließendes Urteil über Trumps Strategie im Iran zutrauen. Klar: Der Ausgang der Mission ist ungewiss. Vor allem aber sind Erfolg und Misserfolg noch gar nicht genau definiert. Je länger der Konflikt dauert und je weniger die US-Regierung erklären kann, wofür die Krise in Kauf genommen wird, desto schwieriger dürfte es für die Republikaner werden, die Unterstützung ihrer Wählerinnen und Wähler in dieser Frage zu erhalten.

Quelle: ntv.de

Source: n-tv.de