Angriffsnacht in UkraineRaketenangriff auf Kiew – Explosionen in Lwiw
22.02.2026, 10:20 Uhr
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Es ist wieder eine unruhige Nacht in der Ukraine. Die Hauptstadt Kiew wird von heftigen Explosionen erschüttert. In der nahe der Grenze zu Polen gelegenen Großstadt Lwiw sollen Polizisten in eine Falle gelockt worden sein.
Kurz vor dem vierten Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine hat Russland in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Raketen angegriffen. Zahlreiche Explosionen erschütterten Kiew. „Der Feind greift die Hauptstadt mit ballistischen Waffen an“, erklärte Militärverwaltungschef Tymur Tkatschenko im Onlinedienst Telegram. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in Schutzräumen zu bleiben. Im gesamten Land wurde Luftalarm ausgerufen.
Nach Angaben von Regionalgouverneur Mykola Kalaschnyk wurde in Kiew mindestens eine Person verletzt. Schäden habe es in fünf Stadtbezirken gegeben, schreibt Kalaschnyk auf Telegram. Die russische Armee hatte Kiew in den vergangenen Wochen immer wieder nachts mit Drohnen und Raketen angegriffen. Ziel der Angriffe ist zumeist die Energie-Infrastruktur. Immer wieder sind die Menschen dadurch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ohne Strom und Heizung.
Angegriffen wurde auch der Schwarzmeerhafen in Odessa. Der Gouverneur von Odessa, Oleh Kiper, erklärte, durch den Angriff seien Brände ausgebrochen, die inzwischen aber gelöscht werden konnten. In der Ostukraine wurde bei einem Raketenangriff ein Produktionsgebäude einer Keksfabrik beschädigt, die einem US-Konzern gehört. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, wenn russische Raketen solche Orte träfen, zielten sie nicht nur auf die Ukraine. Sie richteten sich gegen amerikanische Geschäftsinteressen in Europa.
„Terrorakt“ in Lwiw
Die polnische Luftwaffe ließ in der Nacht unterdessen Kampfjets aufsteigen. Grund sei die Sichtung russischer Langstreckenflieger, die Ziele in der Ukraine angriffen, erklärte das Einsatzkommando.
In Lwiw im Westen der Ukraine, nahe der Grenze zu Polen, wurden bei Explosionen in der Nacht eine Polizistin getötet und 24 Menschen verletzt. Nach Behördenangaben war die Polizei zuvor wegen eines angeblichen Einbruchs in eine zentrale Einkaufsstraße gerufen worden. Die erste Explosion ereignete sich, als eine erste Streife eintraf. Kurz darauf kam es zu einer zweiten Explosion, als weitere Kräfte eintrafen. Bürgermeister Andrij Sadowyj sprach von einem „Terrorakt“. Derartige Vorfälle weit von der Front entfernt häufen sich seit etwa zwei Jahren.
Am Dienstag jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zum vierten Mal. Am 24. Februar 2022 war Russland in der Ukraine mit dem Ziel einmarschiert, die Führung in Kiew zu entmachten und weite Teile des Landes zu erobern. Nach vier Jahren Krieg hält die russische Armee rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. In dem Konflikt wurden hunderttausende Soldaten und zehntausende Zivilisten getötet – die höchsten Opferzahlen in einem Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump setzt sich für ein baldiges Ende des Krieges ein und drängt dabei die Ukraine zu Zugeständnissen. Präsident Wolodymyr Selenskyj plant nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen Konsultationen mit europäischen Staats- und Regierungschefs. Am Jahrestag des Kriegsbeginns ist ein Treffen der sogenannten Koalition der Willigen über die weitere Unterstützung für die Ukraine geplant. Zur Koalition der Willigen zählen überwiegend europäische Länder, aber auch Australien, Neuseeland und Japan.
Source: n-tv.de